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Allgemein — admin on August 26, 2007 at 15:47

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22.4. 2008

Hallo Freunde,

ich heiße Euch herzlich auf meiner Homepage willkommen. Neben dem monatlichen Kommentar »Unnatürlich natürlich« finden sich Informationen über neue Projekte, Lesungen und neuste Pressestimmen. Die Site ist ein lockeres Mosaik aus Sichtungen und besinnlichen Mondscheinspaziergängen zwischen Melancholie und Ratio, und ich hoffe jeder wird in diesem Niemandsgarten das finden was er sucht.

Habt ‘ne schöne Zeit,

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APRIL 2008 : In der neusten Ausgabe Literaturzeitschift Volltext Nr.2/08 analysiert Gunther Nickel, Literaturwissenschaftler und Lektor des Deutschen Literaturfonds, die merkwürdige Vergesslichkeit der ehemaligen Erregungsgemeinschaft um “Endstufe”. Lesen Sie hierzu auch Thor Kunkels offenen Brief an Marcel Reich-Ranicki über die neue subtile Bücherverbrennung unserer Zeit. (rbi)

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Die Wohlgesinnten und die Vergesslichen

von Gunther Nickel

„Gelobt, geschmäht, verleumdet. Das Buch, über das alle reden.“ Mit diesen Worten warb während der Leipziger Buchmesse 2004 ein Plakat für einen Roman, über den damals tatsächlich viel geredet und auch nicht wenig geschrieben wurde. Er handelt von sexfilmproduzierenden SS-Offizieren und berichtet über die Macher dieser pornografischen Streifen ausschließlich aus der – von jeder moralischen Erwägung ungetrübten – Perspektive der Täter. „Der Humanismus funktioniert nicht, weil der Mensch nicht human ist“, lautet der Befund eines der Protagonisten, der es deshalb auch richtig findet, dass die Politik im /Dritten Reich/ „vom Biologismus bestimmt“ werde. Folgerichtig, um nicht zu sagen: naturgemäß, geht es in dem Buch nicht sehr manierlich zu, ja der Leser ist gleichsam einem literarischen Trommelfeuer an Geschmacklosigkeiten ausgesetzt. Den etablierten Kritikern gefiel das bis auf ganz wenige Ausnahmen gar nicht: „Endstufe der Wirrköpfigkeit“ überschrieb die /Neue Zürcher Zeitung/ ihre Besprechung, die /Süddeutsche/ erkannte auf einen „Skandal“, und auch der Rezensent der /Frankfurter Allgemeinen/ fand das Buch „abstoßend“, obwohl sein Kollege von der assoziierten „Sonntagszeitung“ zwei Monate zuvor noch von einem „glänzend geschriebenen, ungeheuer interessanten Manuskript von einem der besten deutschen Autoren der jüngeren Generation“ gesprochen hatte. Für dieses forsche Lob hagelte es dann allerlei hämische bis entrüstete Kommentare, und zugleich machte ein Vorwurf die Runde, der den Autor – er heißt übrigens Thor Kunkel, und sein Roman trägt den Titel /Endstufe/ – anhaltend stigmatisierte. Das Buch, las man nun nämlich, verströme nicht nur „den muffigen Geruch von Jungs-Toiletten“ (Die Welt), es zeuge auch von geschichtsrevisionistischen Absichten, sei also noch „skandalöser, als einige meinen“ (FAZ), sei eine – so die Wochenzeitung /Freitag/ – „rechte Steilvorlage“. Kunkel wehrte sich gegen solche Vorwürfe, war dabei nicht immer sonderlich geschickt, und seitdem ist es recht still um ihn geworden.
Nun ist vor wenigen Wochen mit Jonathan Littells /Die Wohlgesinnten/ ein Buch erschienen, für das wesentliche literarische Mittel, derer sich Kunkel bedient hat, ebenfalls kennzeichnend sind. Auch Littell präsentiert die NS-Zeit aus der Täterperspektive; auch sein Ich-Erzähler schlägt, wie Iris Radisch in der /Zeit/ befand, einen „schwülstigen, primitiven Ton“ an, wenn er „sich in homosexuellen, inzestuösen oder analerotischen Fantasien ergeht“, ja einige Nebenrollen, so Dirk Knipphals in der /taz,/ „scheinen gänzlich dem Figurenarsenal eines Nazipornos entnommen zu sein“; auch Littells Erzähler prolongiert den allgemeinen Kriegszustand bis in die Gegenwart; und auch Littell beruft sich wie Kunkel auf das Vorbild Thomas Pynchon. Noch erstaunlicher als all diese Parallelen ist indes, dass nicht ein einziger Rezensent an die vor vier Jahren emsig und heftig geführte Auseinandersetzung mit Kunkels Roman wenigstens am Rande erinnert hat oder sich gar zu erklären anschickte, warum es richtig war, Kunkel derart abzustrafen, Littell nun aber in einem Maß zu würdigen, das das Übliche weit übersteigt.
Dabei ist das von ihm gewählte literarische Verfahren gar nicht besonders originell. Schon Günter Grass hat seine /Danziger Trilogie/ mit pornografischen Elementen gewürzt, um seine politische Traumatisierung literarisch zu verarbeiten. Pornografische Motive sollen auch in Elfriede Jelineks Roman /Lust/ dazu dienen, den faschistischen Machismo sinnfällig zu machen, der – ihrer Ansicht nach – lediglich aus der Sphäre der Öffentlichkeit in die familiäre Privatheit abgewandert sei. Als das schlechthin Neue und Unerhörte wird an Littells Roman daher lediglich hervorgehoben, was tatsächlich vor ihm schon Thor Kunkel (und nicht nur er) versucht hat: uns die NS-Geschichte aus der affirmierenden Sicht der Täter näherzubringen. In einem zentralen Punkt ist dies beiden jedoch nicht einmal ansatzweise gelungen. Weder bei Kunkel noch bei Littell wird der nationalsozialistische Idealismus verständlich, der in den 1930er Jahren etwa einen Schriftsteller wie Hans Grimm und noch gegen Kriegsende einen aufgeweckten Studenten wie Walter Jens oder einen SS-Rekruten wie Günter Grass zu erfassen vermochte.
Die Probleme, die beide Romane darüber hinaus aufwerfen, sind nicht deckungsgleich, aber ähnlich. Ohne jeden Abstrich ließe sich auf Littell übertragen, was Martin Halter 2004 in der /Badischen Zeitung/ über Kunkels Buch schrieb: „Man kann über alles streiten. Aber man kann nicht die spektakuläre Verquickung von Pornographie und Nazi-Ideologie als unterdrückte Wahrheit, einen Haufen rassistischer, sexueller Tiraden als gewagte Rollenprosa verkaufen.“ Warum kann Littell es doch? Weil die pornografischen Fantasien, die er seinem SS-Mann Max Aue angedichtet hat, die eigentümliche Melange aus Gewalt, Lust, Ekel und Faszination dem Leser beängstigend nahebringen, Kunkel das aber nicht gelungen ist?
So könnte man argumentieren. So hat aber niemand argumentiert. Und selbst wenn man so argumentiert hätte, wäre es noch diskussionswürdig. Denn Rollenprosa ist nur ganz schwer beizukommen. Man kann Littell zum Beispiel nicht vorwerfen, dass er seinen Realismus durch den schon im Titel vorgenommenen Bezug auf die Eumeniden (= die Wohlgesinnten) mythologisch rahmt und damit letztlich nur Deutungsmodelle variiert, die bereits Thomas Mann im /Doktor Faustus/ und Carl Zuckmayer in /Des Teufels General/ geliefert haben. Nicht ihn träfe dieser Vorwurf, sondern nur den von ihm erfundenen und in kritischer Absicht dargestellten Max Aue. Das findet bei Kunkel eine Parallele, wenngleich er nicht bis zur mythologischen Überhöhung ausgreift, sondern sein Text nur an die inflationäre Denunziation von allem und jedem als „faschistisch“ in den 1970er Jahren erinnert. „Nichts Neues unter der Sonne, dachte Fußmann“, heißt es gleich zu Beginn in Kunkels Roman, um die Hauptfigur daran anschließend sagen zu lassen: „Ist es wirklich von Bedeutung, ob sich die Manipulatoren demokratisch nennen oder faschistisch?“ Jeder Einwand gegen diese nur rhetorisch gemeinte Frage trifft auch in diesem Fall nicht den Autor. Ja, man könnte sogar so weit gehen, das Maß an Widerwillen und Ablehnung, das es ihm durch diese und andere Provokationen zu produzieren gelingt, zum Maßstab für das Gelingen seines Textes zu machen.
Die mit der Verwendung von Rollenprosa verbundenen Schwierigkeiten literarischer Wertung wurden jedoch nur in der Diskussion um Littels Roman zuweilen gestreift, zum Beispiel von Thomas Steinfeld, der in der /Süddeutschen Zeitung/ zu Recht fragte: „Wer würde von einem SS-Offizier erwarten, dass er wie ein Schriftsteller schreibt?“ Sonst aber machte die Debatte beängstigend deutlich: Nur vier Jahre haben genügt, damit sich im deutschen Feuilleton niemand mehr daran erinnern kann, dass eine Auseinandersetzung mit polit-pornografischer Rollenprosa schon einmal geführt wurde, nur ungleich härter, geradezu unerbittlich, um nicht zu sagen: gnadenlos.
Bleibt die Frage, wie es zu solcher Vergesslichkeit kommt? Deren Ursache ist wohl die weitgehende literaturkritische Fixierung auf das Tagesgeschäft und die allenthalben fehlende feuilletonistische Selbstreflexion. So wird angesichts des Romans /Die Wohlgesinnten/ zwar die Frage der angemessenen literarischen Darstellung der Vergangenheit ausgiebig diskutiert, aber bezogen auf ihr eigenes Tun und Treiben, bleibt die literaturkritische Praxis völlig geschichtsvergessen.
Nur in sehr seltenen Augenblicken bemerken Literaturredakteure, dass ihr fortwährender Aktionismus in öffentlichen Räumen mit einer merkwürdigen Besinnungslosigkeit einhergeht. So kommentierte Gerrit Bartels 2004 in der /taz/ das Ende der Debatte um Kunkels Roman auf eine Weise, mit der sich das ganze Tamtam um /Die Wohlgesinnten/ nicht schlecht charakterisieren lässt: „Erregung! Noch mehr Erregung – und danach: die große Leere.“

Den Original-Artikel finden Sie auch in unserem Presse-Archiv. (rbi)

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K U L T U R T I P P

24. 4. - 26.4. 2008 Paul Poets »Satan Mozart Moratorium« auf dem Donaufestival

von Stefan Koroschetz
Das neben neuen Arbeiten von Bruce LaBruce und Kenneth Anger wohl mit der größten Spannung erwartete Werk beim Donaufestival 08 ist die Oper »Satan Mozart Moratorium« von Paul Poet im Verbund mit Jean Louis Costes’ »Opera Porno Social«. Ausgehend von Mozarts »Bastien und Bastienne (1768)« soll den arschkriechenden Huldigungen an Mozart aus 2006 ein klares Statement entgegen gehalten werden: Eine Kinderoper im Pornokleid.

Wenn die an dieser (ersten richtigen) Auftragsproduktion für das DF unter der Leitung von Thomas Zierhofer-Kin Beteiligten und ihre Werke auch nur ansatzweise bekannt sind, wird eines klar: diese Mozart-Referenz wird sich zu jenen der so genannten Hochkultur (ausgenommen Kurt Palms »Der Wadenmesser«) verhalten wie Barbara Wussow zu Annie Sprinkle. Inhaltlicher Ausgangspunkt des »Satan Mozart Moratorium« (»SMM«) ist die Hypothese, dass es im Zuge der Auftragsvergabe von »Bastien und Bastienne« durch den am Hof aktiven Heilmagnetiseur und »Wunderarzt« Franz Anton Mesmer zu (mindestens) einer Kindesmisshandlung gekommen sei, an welcher das 12-jährige Wunderkind direkt oder indirekt beteiligt gewesen sein soll. Gerade an dieser Stelle klafft in der ansonsten minutiös überlieferten Biografie Mozarts eine Leerstelle. Ähnliche Fälle sind historisch belegt und im ausgehenden 18. Jahrhundert war es nicht unüblich, knackige Jünglinge zu »Import/Export-Spielen« jeglicher Art heranzuziehen.

Paul Poet jedenfalls registrierte im Rahmen seiner intensiven Beschäftigung mit Mozarts Werk eine »fast manisch-depressive Wehmut, deren Bilder fatal denen sexuell traumatisierter Kinder gleichen«. Diese Begebenheit ist aber nur der Ausgangspunkt bzw. die narrative Klammer für ein Werk, das erst nach dem Verfassen dieses Textes Premiere haben wird – weshalb über das konkrete Geschehen bis dato bestenfalls spekuliert werden kann. Entlang hanteln kann man sich vordergründig bei diesen Mutmaßungen an den beteiligten Personen bzw. deren Arbeiten.

Der subkulturell sozialisierte Paul Poet wurde einer größeren Öffentlichkeit durch den vielfach international ausgezeichneten Dokumentarfilm »Ausländer raus – Schlingensiefs Container«, dem die berüchtigte Containeraktion »Bitte liebt Österreich» des Agent Provocateurs Christoph Schlingensief im Rahmen der Wiener Festwochen 2000 zugrunde liegt, bekannt.
Den Karton bei »SMM« ordentlich zum rappeln bringen wird mit Sicherheit der »gefürchtete«, in Frankreich zeitweilig intensiv mit Gerichtsterminen (vermeintlicher Aufruf zum Rassenhass und zum Mord) eingedeckte Jean Louis Costes, der in seiner kargen Freizeit ein fast unüberblickbares Werk (Stücke, Bücher, Platten) manchmal im buchstäblichen Sinn heraus scheißt, mit seiner »Opera Porno-Social«. Im Gepäck hat der passionierte Tabubrecher (Pornografie, Gewalt – und Fäkalienaktionen im Dienste der Aufklärung) diesmal die erst 20-jährige Sdellamorte, die ansonsten einer transgressiven Rockband vorsteht, und mit Ellakkzione einen opergeschulten Akteur aus dem Pariser Sex-Underground.

Hoffentlich missbräuchlich am »Dieter Bohlen« von Salzburg (Peter Hein) vergreifen werden sich zudem musikalisch der manisch produzierende Noël Akchoté an der elektrischen Zumpferl-Verlängerung und visuell der von Stock, Hausen & Walkman bekannte Andrew Sharpley am elektronischen VJ-Setzkasten. Als gesichert angenommen werden kann, dass Susi und Strolchi nackert über die Bühne und auf eben dieser wetzen werden, wobei man konzeptionell in diesem Fall nicht von einer Bühne sprechen wird können. Der Bühnenraum wird komplett eliminiert sein, hierarchische Strukturen im Sinne von Akteuren und »Audienz« sollen so weit wie möglich außer Kraft gesetzt werden. Historisch verortet sich Poets und Costes’ Vision eines wirklich potenziell aufklärerischen Theaters in einer Linie mit Antonin Artaud, Pasolini oder dem Massaker der texanischen Kettensäge.

Dem Bataill’schen »Tabubruch als moralischen Akt« wie es im Programmheft des Donaufestivals 08 steht, wird also in »SMM« unter geballtem Einsatz von Saubarteleien im Zeichen der Obszönität ausgiebig gehuldigt werden. Poet versteht sich dabei als »Orgiastiker, der im Rot-Bereich gesellschaftlicher Tabus über allgemeine humane Werte meditiert«. Die von Foucault mit Bezug auf Bataille definierte Transgression als »nicht-affirmative Bejahung« und die subversive, »machtlose Souveränität« (Bataille) liefern dabei theoretisches Unterfutter. Freilich soll »SMM« über das vordergründige Shocking weit hinausgehen und anhand des Vehikels Porno wesentlich Tiefgreifenderes, etwa die auf anderem Level täglich produzierte und konsumierte (Sozial-)Pornografie des Medienalltags, zur Disposition stellen. Inspiration lieferte Poet unter anderen der auch Gerichtssaal-erprobte (Vorwurf der Pornografie!) russische Postmodernist Wladimir Sorokin. »SMM« wird also ganz sicher nichts für den sprichwörtlichen Hosenscheißer, obwohl dieser – konsequent im Sinne der Obszönität gedacht – in Ausübung seiner Namen gebenden Tätigkeit durchaus einiges zum Gelingen von »SMM« beitragen könnte.

»Satan Mozart Moratorium«
24, 25. und 26. 4. 2008, 22 Uhr im Stadtsaal Krems
www.donaufestival.at
Komplettes Interview mit Initiator Paul Poet: www.skug.at …………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………..

19. 3. 2008

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Unnatürlich natürlich - Thor Kunkel äußert sich in seinem monatlichen Internet-Kommentar über Jonathan Littells kakophonischen SS-Remix „Die Wohlgesinnten“ (rbi) Das Essay finden Sie auch in Push Magazin und auszugsweise in der Financial Times Deutschland vom 25.2.08.

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13. 1. 2008 Thor Kunkel auf Deutschlandradio Kultur

“Im Ende steckt ein Anfang” - Ein Feature von Peter Kaiser

Mit dem Scheitern in der Literatur (Kernthema der Sendung) ist es so eine Sache: Wer oder was bestimmt dieses Scheitern? Unfähige Literaturkritiker, die einen Autoren aus literaturpolitischen Gründen verbal füsilieren oder Verkaufszahlen, die vielleicht nicht ganz den Erwartungen des Verlegers entsprechen? Oder ist es der eigene Anspruch? Fragen an einen Schriftsteller, der Elke Heidenreich als persona non grata gilt. (rb)

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Zur öffentlichen Hinrichtung von Eva Herman

Rufmord und Folgen – zwei Rufmorde im Vergleich

Es war ein telekratisches Autodafé, Kerners Show am 9. Oktober, ein bunt beleuchteter Pranger: Der Richter, ein glatter Medienkasper, seine Beisitzerinnen, ein Alt-Erotik-Star (kenne die Berger eigentlich nur aus der Werbung für Hämorridencreme oder Gebissreiniger), daneben eine gefallene RTL-Moderatorin, die ihre Chance zum Comeback mit Händen und Füßen ergriff, frei nach dem Motto „Was Lea Rosh kann, kann ich schon lange.“
Auch ein Jüngelchen hatte man zwischen den reiferen Frauen platziert. (Die Männerquote scheint Kerner wichtig zu sein. ) Und mittendrin natürlich Eva Herman, die buchstäbliche Blondine vom Dienst. Angetreten eine Sachdebatte anzuspannen und das „kleine Missverständnis“ aus dem Weg zu räumen, tappte sie prompt in die Nazi-Falle. Das Wort wird hier in der Schweiz von der Presse gebraucht. In Deutschland wäre schon die Erwähnung derselben ein dringendes Verdachtsmoment gegen den, der auf die Nazi-Falle verweist. Doch welcher Deutsche würde noch ernsthaft bestreiten, daß die öffentliche Sprache einer neuro-linguistischen Programmierung unterliegt? Es scheint nicht nur einen unausgesprochenen »Holocaust-Knigge« zu geben, sondern auch einen umfangreichen idiomatischen Verabredungskatalog, der eine allgegenwärtige verhaltenstechnologische Grammatik der Gesellschaft bestimmt.
Man möchte nicht von Konditionierung sprechen, doch Margarete Schreinemaker, eine der Beisitzerinnen, begann angesichts der von Eva Herman geführten Rede sichtbar zu speicheln. Zudem bekundete sie lautstark „erhöhten Puls“, was für eine physiologische Abwehrreaktion spricht.
Frau Herman, die bisher nur die Sonnenseite des Lebens kannte, scheint das Opfer ihrer eigenen Verdrängungsmechanismen geworden zu sein. Anders ist es kaum zu erklären, wie sorglos sie denen die Munition liefert, die mit großen Kalibern auf sie schießen. Die Kultur des Diskurses, auf die Herman als Autorin blauäugig spekulierte, gibt es in Deutschland schon lange nicht mehr. Immer häufiger liest man von „verminten Gebieten“, von „Deutungshoheit“ oder von „Worten, die nicht fallen dürften“. Deutlicher kann eine Presse nicht bekennen, wie unfrei sie ist.
Wer fast die Hälfte seines Lebens im Ausland gelebt hat wie ich empfindet diese idiomatischen Fall- und Würgeschlingen als klare Bevormundung. Sie existieren in dieser spukhaften Subtilität weder im angloamerikanischen noch im niederländischen Sprachraum und zeigen wie unfrei und kleingeistig dieses Land im Inneren wieder ist. Denn nach dem Kerner-Eklat geht es nun nicht mehr um Hermans liebenswert altbackene Thesen, es geht um ihre verbalen Verstöße gegen die Sprachbarrieren, die das öffentliche Leben bestimmen. Frau Herman nannte es tatsächlich „gefährlich“ über die deutsche Vergangenheit zu sprechen – Sakrileg! Da musste die Falle doch zuschnappen: Kerner, selbst geschockt, warf seinen Gast mit etwas Verspätung aus der Sendung. Damit wurde Herman mit einer Geste zur persona non grata und als massenkompatible Gegenstimme zur Regierungspolitik neutralisiert. Kerner hatte ihr – wie er immer wieder betonte – „jede Chance gegeben“, sie die Hand der Versöhnung unterkühlt ausgeschlagen. Und das ist etwas, was heute besonders schwer wiegt: Die blonde, blauäugige Hexe (ja, auch ihr Phänotyp ist für bestimmte Leute Indiz) wirkt unbeugsam und ist nicht bereit um Vergebung zu bitten. Genau dieses Rückgrat ist es, was – aus meiner eigenen Erfahrung - die Hintermänner der medialen Femegerichte so reizt. Die erwartete Unterwürfigkeit fehlt, die Bitte um Absolution durch eine unnennbare, aber medial höchst schlagkräftige Macht.
Als „Unverbesserlicher“ (DIE WELT über T.K.) spreche ich hier einmal aus eigener Erfahrung, wobei ich vorausschicken muß, daß ich nicht wie Frau Herman mit Samthandschuhen angefasst wurde.
Meine Verhaftung durch Deutschlands Gedankenpolizei nahm im Februar 2004 ihren Lauf, als mir ein einziger psychotischer Meinungssoldat des SPIEGELs unterstellte ein „Revisionist“ und „rechter Schläger“ zu sein. Quelle seines Verdachts waren unbedachte Äußerungen meines ehemaligen Verlegers, ein Ausdruck eines „Werkstattberichts“, den ich gar nicht verfasst hatte, private Randnotizen, sowie Stellen in einem unredigierten und von mir nicht autorisierten Manuskript. Es ging um kein gesellschaftspolitisches Manifest, keine Parteigründung, sondern schlichtweg um ein literarisches Werk.
Wie Eva Herman beging ich den Fehler nicht sofort mit einer einstweiligen Verfügung gegen das Nachrichtenmagazin vorzugehen und auf die Herausgabe des zitierten und offenbar aus einem Datendiebstahl stammenden Materials zu drängen. Ich schrieb stattdessen einen offenen Brief, den man jederzeit im Netz nachlesen kann. Er änderte nichts: Ist der Grundton einmal von einem Leitmedium gesetzt, schlagen alle wie wild darauf los. Bezeichnend ist die Form des Ereiferns, wie es das Medien-Sternchen Thea Dorn in »buchreport« praktizierte: „Die widerliche Fluchtrichtung des ganzen Werkes ist ja, uns zu erklären, daß der Nationalsozialismus nichts besonders Deutsches ist, sondern eigentlich nur eine Vortrainingsstufe für die USA, weil die Amerikaner eigentlich die besseren Faschisten sind!!!“
Ich dachte damals: Klar, daß es einem Ungeheuer unerträglich sein muß, einem noch größeren Ungeheuer zu begegnen. Dorn entlarvte sich selbst und welchen Geistes Kinde sie ist.
Die Rezeption meines Romans wurde jedenfalls mit allen Mitteln gestört, die Buchhändler bekamen das große Zittern. Plötzlich war es, als hätte ich die „Satanischen Verse“ geschrieben, und jedes Wort, was ich sagte, sah ich bald -– in Anführungszeichen gesetzt – in irgendwelchen Presseberichten.
Obwohl der SPIEGEL eine Unterlassungserklärung unterschrieb, was dem Eingeständnis eines Fehlverhaltens gleichkommt, griffen Provinzblätter und Internet-Foren die längst revidierten Vorwürfe auf, als ob es diese Unterlassungserklärung gar nicht gäbe! Sie schrieben einfach voneinander ab, in blinder Wiederholungsmanie, und führten so zu einer Flut von Anschuldigungen auf schlimmsten Niveau. Selbst meine Haarfarbe und der „nordisch klingende“ Vorname wurden mir angekreidet. Rassismus pur, könnte man sagen. (Die TAZ diskriminierte mich sogar wegen eines braunen T-Shirts.) In Berlin stürmte ein lyrischer Fuselbrenner nach SA-Manier die Bühne und bellte mich wie einen Hundeheiligen an. Danach hagelte es Morddrohungen, – ob es da vielleicht einen Zusammenhang gab?
Mein Verlag versuchte alles Erdenkliche an Öffentlichkeitsarbeit, ich verklagte zig Journalisten, ohne nennenswerten Erfolg in der Sache. In der Presse wurde fleißig an meinem „dämonischen Image“ gefeilt. Ein Rezensent der Neuen Züricher Zeitung bescheinigte mir „genetische Defekte“, die Süddeutschen witterte dagegen „Kampfthesen“ in meinem Gepäck. Begründet wurde das alles nicht. Nur die Hasstiraden setzten sich fort. Ein freier Mitarbeiter des ZDF warnte mich, Wolfgang Herles, der »Aspekte«-Chefredakteur hätte seinem „Werkzeug fürs Grobe“, dem Skandal-Journalisten Tilman Jens, den Auftrag erteilt „mich fertigzumachen“. Es wäre meine „uneinsichtige Haltung“, die auch Armin Conrad, Chef-Redakteur von »Kulturzeit«, missfiel. Das war wohl der konkreteste Vorwurf, den ich in zwei Monaten hörte.
Als klar war, daß ich keinerlei Rückendeckung hatte, standen nun auch die Versager des Kulturbetriebs Schlange: Mal reintreten, es kostet ja nichts… Was tatsächlich in »Endstufe« stand, war längst Nebensache, sie hatten es ohnehin nicht gelesen – so wie der strohdumme Rundschau-Reporter Christoph Schröder, der das auch noch offenherzig zugab und den Roman dennoch zerriß! Was ich denken könnte, heimlich denken, das stand jetzt zur Debatte. Meine fremde Gedankenwelt also. Selbst der FAS-Feuilleton-Chef, der »Endstufe« zunächst „ein glänzend geschriebenes, ungeheuer interessantes Manuskript von einem der besten Autoren der jüngeren Generation“ nannte, machte den Rückzieher. „Es wird nie wieder aufhören, nie wieder!“, schrieb er, als ich ihn bat mir wenigstens gelegentlich Raum zur Richtigstellung der verdrehten Tatsachen einzuräumen. Er tat es nicht und offenbar hatte er recht, denn je mehr ich gegen die wüsten Diffamierungen meiner Person protestierte, um so schlimmer wurde es. Als die »Endstufe«-Lesereise begann, waren die Mitarbeiter des Eichborn-Verlags quasi rund um die Uhr mit dem Abwimmeln von hysterischen Telefonanrufern beschäftigt. Meine Frau verließ vorübergehend Berlin und ein Sekundenschlaf auf der Autobahn kostete mich beinahe das Leben. All das persönliche Elend wurde von der Presse verschwiegen. Es war fast unheimlich. War der eine Verdacht zerstreut, wurde ein neuer von einer anderen Medienmacht produziert. „Er hat den Holocaust vernachlässigt“, blökte es jetzt. – War das des Pudels Kern? Die heimliche Ursache des Aufruhrs?
Rückblickend muß ich sagen, daß mir zu diesem Zeitpunkt immer mulmiger wurde. Ich wollte keine schlafenden Hunde wecken. So ertappte ich mich dabei wie ich in Interviews über Themen redete, die weder das Thema meines Romans waren, noch sonst etwas mit mir zu tun hatten. Ja, Interviews waren eine einzige Qual: Manche Worte blieben auf halbem Weg in der Kehle stecken und sorgten bei mir für eine bis dahin nicht gekannte Befangenheit. Hinter allem vermutete ich Suggestivfragen und antwortete darauf mit einer schwammigen Glätte, die gut zu Roland Koch gepasst hatte. Paranoia sorgt dafür, daß sich die klarste Rede in nebulösen Sätzen verflüchtigt und ja, ich war paranoid.
Daß es »Endstufe« trotzdem auf die Bestseller-Liste schaffte, daß Auslandsübersetzungen folgten und die renommierte österreichische Filmproduktion DOR gerade eine Verfilmung (Regie: Paul Poet) mit Eugene Hutz und Nadeschda Brennicke plant, lässt hoffen, daß sich auch Eva Hermans Leserinnen nicht von ihrer Lektüre abbringen lassen. Es kann nichts schaden über konservative Lebensformen nachzudenken, selbst wenn sie die Vorstellungen der Familienministerin konterkarieren.
Vormachen sollte sich die Autorin allerdings nichts: Ihren lukrativen Platz auf der Sonnenseite des Lebens hat sie verwirkt, sie wird lernen müssen mit massiven Gegenwinden und Treibsand zu leben. Die Zuschauer mögen ein Kurzzeit-Gedächtnis haben, das Internet scheint sich dagegen zur Dauer-Verleumdungsmaschine zu mausern. Schon jetzt wird Herman im Netz die „Nazi-Tante“ genannt. Daß das nicht stimmt, dieses Lippenbekenntnis wird Frau Herman jetzt immer öfter im Kreis von Kulturbetriebfunktionären und amorphen Medien-Feiglingen ablegen müssen : „Sie sind doch nicht wirklich rechts, oder? Habe Sie heute morgen gegooglet…“ Ich habe solche Sätze schon öfters gehört, sehr oft sogar. Selbst wenn Frau Hermann ihr mediales Femegericht überlebt hat, die Gedankenpolizei Deutschlands hat sie vorläufig und auf unbestimmte Zeit in Schutzhaft genommen.

VORSICHT: Sie wurden soeben mit meiner Meinung konfrontiert.
Zu Risiken und Nebenwirkungen befragen Sie Ihren Therapeuten.

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ULTRALOW: Verkauf der Orginal-Vignetten des Romans »Das Schwarzlicht-Terrarium«

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Sind Sie auf der Suche nach einem einmaligen Design-Objekt, das Ihr geschmacklos eingerichtetes Zuhause noch geschmackloser macht? – Oder gehören Sie einfach zur Gemeinde der „Schwarzlicht-Terraner“, den mehr als hunderttausend Lesern, die Kunkels Debut „Das Schwarzlicht-Terrarium“ zu einem Kultroman machten? Dann sollten Sie sich dieses Angebot in Ruhe durchlesen:
Im Frühjahr 2000 beauftragte der Rowohlt-Verlag die aus Amsterdam stammende Künstlerin Gerda Bakker Kunkels Roman zu illustrieren. Es entstanden mehr als 20 Vignetten im Din A3-Format, von denen 8 im Roman abgedruckt wurden.
Alle zwanzig Originale stehen ab heute zum Verkauf. Exklusiv auf dieser Website.
In einem blinden Anfall von Aktionismus hat sich Thor Kunkel bereit erklärt, jedes Unikat mit einer persönlichen Widmung und einem Zitat aus dem Roman zu signieren.
Zeichnungen angucken? Klicken Sie jetzt auf Schwarzlicht-Galleria. (rbi)

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K U L T U R T I P P

31.8.07. Premiere von Feridun Zaimoglus Stück “Moilère. Eine Passion.” in der Berliner Schaubühne. Lesen Sie Kunkels Laudatio auf den Dichter Zaimoglu, veröffentlicht in »Littera Borealis«, herausgegeben von der Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein und dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein. Sie finden den kompletten Text rechts unter hier & heute. (rbi)

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Grüsse aus den Bergen, August 2007!

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Auf dem Weg zum Abrunpass (Richtung Italien). Bis nächstes Jahr! Photo: Thomas Kunkel

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In eigener Sache

In eigener Sache — admin on August 26, 2007 at 15:44

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Schreiben um das täglich Brot

17.9.2007

Ich werde immer wieder von jungen Schriftstellern gefragt, ob ich (hui, als „Bestsellerautor“) vom Schreiben leben kann.
Die Antwort ist ein Nein. Vergesst es. Das echte Schreiben ist ein schlecht bezahlter, intrinsischer Prozess, der entweder am Bettelstab oder in der Klapsmühle endet (wenn man Glück hat, denn hier bekommt man zu essen.). Die Wanderungen in den eigenen Gehirnwindungen sind nicht ungefährlicher als das Durchqueren von Treibsand… Wer Angst hat zu scheitern, sollte sich die Sache eh aus dem Kopf schlagen. Wenn schon jeder gediegene Beruf nichts weiter ist als eine inkonsequente Konstruktion, dann sollte man die Berufung zum Schriftsteller schlichtweg als Abberufung (vom Leben) verstehen. Wer sich gut dabei fühlt, daß sein Leben immer leerer wird, daß ihn Familie und Freunde meiden, für den ist es sicher der richtige Weg.

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Wer dagegen auf Sicher-Brot spekuliert, ist mit Sicherheit kein Schriftsteller, sondern ein Literat, also ein Kulturuntertan, eine Topfpflanze von psychotischen Creeps aus den Feuilleton-Redaktionen. Ja, und diese Leute leben ganz vortrefflich von ihren Texten: Man trifft sich eins -,zweimal im Monat mit einem halbwegs etablierten Kritiker – oder am besten gleich mit der Iris Radisch – zum Lunch am Stuttgarter Platz und lauscht auf die Zwischentöne des Schmatzens… Dann geht man nach Hause und fabriziert einen Text, der in etwa dem neurotischen Gequatsche der Literaturhyäne entspricht. Man überprüft noch schnell ob die Thematik des Textes literaturpolitisch zulässig ist, streut hier und da ein paar rituelle Sätze ein, um sich zum justen Milieu zu bekennen - und ab geht die Post. Selbst wenn es nicht gleich mit dem Vorabdruck in der SZ oder FAS hinhaut, ein Literaturstipendium müßte schon drin sein.
Die echten Schriftsteller warten inzwischen, daß der Sensenmann sich ihrer erbarmt. Sie hängen an der Riffkante des menschlichen Geistes, im Kreis von Phantomen, die vielleicht einmal Benn, Büchner oder Kafka hießen und zu ihren Lebzeiten ebenso litten.
Nein, vom Schreiben kann man nicht leben.

Wünsche trotzdem allen, die es versuchen wollen, viel Glück.

Salutogenese

Salutogenese — admin on August 26, 2007 at 15:19

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Unter Salutogenese versteht man in medizinischen Fachkreisen die veränderte Sichtweise auf Krankheiten und ihre Auslöser. Statt reaktionärer Krankheitsbekämpfung scheinen Vorsorge und Früherkennungsprogramme wesentlich effektiver zu sein. Wäre es nicht an der Zeit für eine Salutogenese des Splitters der deutschen Geschichte (12 Jahre, mehr waren es ja nicht), denn das Widerkäuen der Ewigen Schuld und die fortwährende Berieselung mit punitativen Dokus haben sich als fatal und kontraproduktiv erwiesen.

Es steht fest, daß sich die Deutschen als Aggressoren und Verlierer von zwei Weltkriegen nach einem massenhaften und für jeden individuell spürbaren Leid im Gegensatz zu den anderen Völkern immer wieder der notwendigen Trauerarbeit für die eigenen Toten versagt haben. Aufgrund dessen gibt es in diesem Land mehr Befindensstörungen als in jedem anderen europäischen Land. Leider kein Witz: Die Deutschen sind das depressivste Volk Europas. Die von mindestens drei Generationen nicht bewältigte emotionale Auseinandersetzung mit dem persönlichen, in jeder deutschen Familie anwesenden Schmerz, hat zu den tiefen Verwerfungen geführt, die heute jeden normalen Konsensus über das Verbrecherregime der Nationalsozialisten verhindern. Schlimmer noch, mit der Ächtung und systematischen Ausgrenzung der so genannten “Rechten” und der rigerosen Verkennung der geschichtlichen Ereignisse, steht die für demokratische Länder übliche politische Kultur des Diskurses in Deutschland mehr denn je auf der Kippe - was für ein unverdienter Triumpf für Ewiggestrige und verkappte Faschisten!

Unter Salutogenese finden Sie ab Anfang September positive Beträge zu ganz heiklen deutschen Themen.(tk)

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Lebendiges Deutsch - Vokabeltrainer, Teil I.

Klar, für die anglophilen Bobo-Linken ist das hier wieder ein gefundenes Fressen: “Wat soll’n die Deutschtümelei … Muß dat wirklich sein?” – Ja, es muß, denn diese englischen Ausdrücke sind einfach überflüssig. Also, weg damit… Sprachpflege ist individuelle Anstrengung, keine staatlich verordneter Leitkultur-Schmonzes. Hier ein paar Vorschläge:

T-Hemd = T-Shirt, Email = Strombrief, E-Brief, Laptop = Klapprechner, Callcenter = Rufdienst, Stalker = Nachsteller, Fastfood = Schnellkost, Looser = Verlierer, Background = Hintergrund, Headline = Schlagzeile, Fashion = Mode, Airport = Flughafen, Job Center = Stellenvermittlung, Style = Stil, chatten = plaudern, Shop = Geschäft, Sale = Ausverkauf, Ticket = Karte, Bike = Fahrrad, Outfit = Kleidung, timen = Zeit nehmen, Check-in = Anmeldung, Abfertigung, Meeting = Treffen, Talkshow = Quatschschau, Display = Sichtfeld, Global Player = Weltunternehmen, Flatrate = Pauschale, Coaching = Anleitung, Grapefruit = Pampelmuse, Pipeline = Rohrleitung, shoppen = Geld verprassen, Newcomer = Neuer, relaxen = entspannen, chillen = runterkommen, online/offline = im Netz/vom Netz, Thumbnails = Däumlingsbilder, Bootlegs = Raubplatten

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Dringender Buch-Tipp: Ökonomie der Zerstörung

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Es ist geradezu lächerlich wie hartnäckig neue Recherchen britischer und amerikanischer Historiker in Deutschland ignoriert werden. Was in anderen Ländern selbstverständlich ist – die neutrale Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte – wird hier als anrüchig empfunden. Die Geschichtsschreibung – was die Zeit zwischen 1933 und 45 betrifft – ist heute ein Ort, an dem es nicht mehr primär um Ursachenforschung geht, sondern nur noch darum das gegenwärtige Gesellschaftssystem und dessen propagiertes Weltbild zu reproduzieren.
Ökonomie der Zerstörung (Originaltitel: The wages of destruction) von Adam Tooze, (Siedler-Verlag) ist ein Buch, das den längst überfälligen Paradigmenwechsel vollzieht: Tooze, ein junger britischer Forscher aus Cambridge, beschreibt ein durchweg kapitalistisch orientiertes III. Reich. Er stützt sich im Wesentlichen auf eine Erkenntnis: Das Streben nach neuem Lebensraum (und die damit notwendige Diskriminierung von Rassen) entspricht einer zutiefst kapitalistischen Denk- und Vorgehensweise. Hat der Kapitalismus erst einmal freien Lauf, zeigt er schnell sein wahres Gesicht: Auch Menschen werden in diesem „industriellen Prozess“ der Verwertung mit Haut und Haar unterworfen. Tooze gelingt es dabei hinlänglich bekannte geschichtliche Ereignisse und Entwicklungen aus einer neuen ideologiefreien Perspektive zu betrachten. Der Holocaust ist in diesem Zusammenhang nicht mehr als ein Nebenkriegsschauplatz: (Im Vergleich mit 19 Millionen gefallener sowjetischer Soldaten und den insgesamt weit über 50 Millionen Toten des II. Weltkriegs, ist er das auch.) Der Rassismus gegen Slawen und andere Völker (die als minderwertig erachtet wurden) schaffte die Basis der kriegswirtschaftlichen Expansion nach Osten. Das Wort „Kriegswirtschaft“ steht synonym für die gigantische Kriegsmaschine, die der deutschen Industrie die dringend notwendigen Rohstoffe beschaffen sollte. Die überzeugende Art und Weise wie Tooze die enge Verflechtung zwischen ökonomischen Suprematen und politischen Entscheidungen offen legt, macht The Wages of Destruction zu einem wichtigen Buch. Wer glaubt KZ-Folklore und ewiges Wiederkäuen längst bekannter Fakten, genüge das III. Reich zu erklären, der möge die Finger von diesem Buch lassen. Wer sich hingegen einmal den grausamen Gewissheiten der Erwachsenenwelt stellen will, der sollte dieses Buch lesen.

Pathologie

Pathologie — admin on August 26, 2007 at 14:04

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Trash als Charakterisierung der Bio-Müllhalde Europa

Kranke Welt.

Man kann es so stehen lassen und nichts hinzufügen und alle wüßten doch was gemeint ist.
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Monströse Muslimas?

Ehrlich, es vergeht in diesem Land kein Tag, an dem Muslime nicht durch die Presse diskriminiert oder negativ etikettiert werden. Das beliebte Paki-Bashing der Briten setzt sich hier neuerdings als Muslim-Bashing fort.
Im Ernst: Ob eine türkische Frau mit oder ohne Kopftuch zur Schule geht, ist allein ihre Sache. Es interessiert doch auch keinen Schwanz, ob ein Jude mit oder ohne Vorhaut zur Arbeit geht. Für den einen gehört es dazu, für den anderen nicht.

Das Foto oben schickte mir ein holländischer Freund: Es zeigt eine moderne und eine konservative Türkin in Ankara auf der Straße. Vielleicht sollten die Hetzer von der Presse mal selbst nach Ankara fliegen um zu sehen, daß friedliche Koexistenz möglich ist.

Unnatürlich natürlich

unnatürlich natürlich — admin on Juni 19, 2007 at 11:47

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An dieser Stelle finden Sie regelmäßig einen unnatürlich natürlichen Internet-Kommentar von Thor Kunkel. Längere Texte werden Ihnen als pdf -download oder per Link angeboten. (rbi)

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Thor Kunkel über die FAZ-Marketing-Maschinerie hinter Jonathan Littells SS-Remix „Die Wohlgesinnten“

Es ist der 28. Februar 2008. Jonathan Littell liest in Berlin. Das Berliner Ensemble ist bis auf den letzten Stuhl ausverkauft. Über dem Schiffbauerdamm leuchtet ein fünf Meter hohes Transparent in die Nacht – LESUNG in blutroten, fast mannshohen Lettern.
Es ist eine elitäre Veranstaltung, zumindest ist sie so inszeniert und es ist auffallend wie viele Feuilletonisten der FAZ angereist sind.
20 Uhr: Der Schauspieler Christian Berkel betritt mit Augurenmine die Bühne:
„Ihr Menschenbrüder“, schleudert er seinem Publikum entgegen, „laßt mich euch erzählen wie es gewesen ist…“ Es geht um Durchfall, Verstopfung und eine Spitzenwarenfabrik in Paris, die Littells Protagonist Max Aue, der ehemalige SS-Offizier, leitet.
Zwanzig Minuten später erscheinen Daniel Cohn-Bendit und Jonathan Littell:
Die Plauderei (mehr ist es tatsächlich nicht) wird auf Französisch geführt, der Berlin Verlag hat für elektronische Übersetzungshilfen gesorgt. Littell zündet sich zum Auftakt einen Zigarillo an und trinkt Whiskey. Im Unterschied zu Cohn-Bendit, der auf seinem Sitz kauert, als ob er Bauchschmerzen hätte, zappelt er ununterbrochen herum: Wilde, beschwörende Gesten, – „Millionen bissen ins Gras“ –, hier Millionen, da Millionen, der französische Übersetzer kommt kaum noch nach. Littell macht den Eindruck eines frisch geschlüpften Kükens, das lange Zeit in ganz schlimmen Büchern für Erwachsene geblättert hat, und jetzt mit diesem Ausdruck von ernster Entrüstung auf dem Gesicht, seinem Papa erzählt, wie ungerecht und schlimm es doch auf der Welt zugeht.
Im Parkett rumort es, vor allem die älteren Leute scheinen peinlich berührt, wie dreist hier einer mit Lesefrüchten und Plattitüden über den Holocaust wuchert, wobei er mehrfach historische Sachverhalte durcheinander bringt und sich dann wie ein ertappter Sünder sprachlich verhaspelt. Cohn-Bendit merkt, daß es schief läuft und ruft plötzlich und ohne erkennbaren Zusammenhang mit dem, was gerade Littell gesagt hat: „Ich bin Jude und du bist Jude, also wie siehst du das?“ Es wäre die Steilvorlage gewesen, das, worauf ein nicht unbeträchtlicher Teil des Publikums wartet, doch Littell verschränkt nur die Arme, nickt: „Na und?“
Den zweiten Teil der Lesung, der auf Aues Begegnung mit Hitler hinausläuft, warten viele Zuhörer nicht mehr ab. Ganze Stuhlreihen wandern ab, Berkel, der Vorleser hebt ein paar mal sichtlich irritiert den Kopf, doch er liest diesen Schwanengesang weiter, der immer krächzender wird und nur noch dünnen Beifall erntet.
Berlin ist enttäuscht. Man sieht es an den Gesichtern. Manche haben sich vielleicht wirklich einen genialen Ansatz von Vergangenheitsbewältigung versprochen. Draußen im Foyer, schildert mir ein älterer Mann, der extra aus Warschau angereist ist, seine Gedanken: „Was weiß denn dieser Herr Littell wie es war Millionen zu töten? Wie alt ist der eigentlich?“

Wohlversonnen, so zerronnen?

Nichts ist leichter, als frühere Ereignisse von der Warte überlegener Gegenwartskenntnisse aus zu verdammen, nichts ist leichter als die Schuld auf die Besiegten zu wälzen. Unter dieser Prämisse gelingt dem 39jährigen Jonathan Littell tatsächlich eine ungewohnt eigene Sicht auf die Schutzstaffel Hitlers – kurz SS - die in allen mir bekannten Unterhaltungsformaten bislang nur als „das Böse schlechthin“ portraitiert wurde. „Die Wohlwollenden“ - fiktive Biografie des schwulen, kultivierten und psychisch gestörten SS-Offiziers Max Aue – vermeidet konsequent jede besserwisserische und moralische Lektion, sondern führt den Leser direkt ins Herz der Finsternis, das 1941 in dem halbwegs eroberten, östlichen „Lebensraum“ pocht. Wie Infusionstierchen einer todbringenden Seuche sickern Aues Kameraden ins Land. Eine Massenerschießung folgt der nächsten, es läuft meistens glatt und wie mit Blut und Angstschweiß geschmiert. Die Gespräche sind dagegen oft langatmig-wirr. Man glaubt müden Steuerfahndern zu lauschen, die statt Akten Leichenberge „unterpflügen“ wollen um endlich Ruhe vor den schmutzigen Geschäften des Lebens zu haben. Nüchtern betrachtet begleiten wir in Littells Protagonisten einen gefühlskalten, hosenscheißenden Mörder, der Frauen und Kinder lässig erschießt, doch sich vor den anrückenden Russen feige versteckt. Er ist ein Anti-Held und entspricht somit dem Klischee eines SS-Offiziers bis ins kleinste Detail. Das Identifikationspotential für den Leser ist unter Null, eine Entwicklung von Aues Persönlichkeit ist nicht festzustellen, er gibt vor das Absolute zu suchen, will „alles sehen“ wie es einmal heißt, und zieht nach dieser Ansage mit der Munterkeit eines Katastrophentouristen drauf los.
So schnörkellos geschrieben wie ein aus dem Ruder gelaufener „Landser“-Heftroman und mit Lesefrüchten aus der vorsokratischen Philosophie angedickt, schildert uns der fast 1400 Seiten lange Wälzer die grauenhaften Geschäftsreisen des ästhetisch veranlagten Schwulitäters kreuz und quer durch Polen, die Ukraine, von Lutzk über Kiev nach Stalingrad und wieder zurück in das zerbombte Berlin, wo er seinen sichtlich zerfallenen Führer mit einem Nasenbiss verabschiedet, eine Szene von so geheuerer Tragweite, daß der französische Verleger sie nicht abdrucken wollte! In der deutschen Übersetzung ist sie – Hitlers Nase - wieder enthalten und darauf ist der Berlin-Verlag richtig stolz.

Der Rest ist schnell erzählt: Den Leser erwartet ein De Sade’sches Grand Guignol, eine brachiale Materialschlacht des Fleisches vor dem Hintergrund der Judenverfolgung. Nur das falsche Sentiment und die übliche Selbstkasteiung der klassischen deutschen Holocaust-Literatur bleiben einem erspart. Der Täter bereut nichts, ja, er unterstellt seinen Leser „wie er“ zu sein. Und das war’s. Es ist wirklich und wahrhaftig die Essenz des Romans, der von der FAZ seit fast anderthalb Jahren als Jahrhundertwerk vorverkauft wird. Selten wurde um irgendein Buch soviel Tamtam und Aufsehen gemacht und selten war es so fühlbar, daß hier Wasser für Wein verkauft werden soll.

Getäuschte Öffentlichkeit

Aberwitziger noch als dieses Theater ist nur die Diskrepanz zwischen der Darstellung des Romans in den Medien und dem eigentlichen Text. – Ist es wirklich dasselbe Buch – das Jahrhundertwerk, von der die FAZ seit Monaten quakt? Es wird offiziell als Debütroman bezeichnet, obwohl es gar kein Debütroman ist. Nicht nur, daß die zahlreichen in der Originalausgabe enthaltenen und inzwischen bereinigten Sachfehler von der Presse vertuscht wurden, nein, der Roman scheint geradezu von Wohlgesinnten umgeben zu sein. Als Pate biederte sich schon frühzeitig der FAZ-Verleger Frank Schirrmacher an. Er dirigiert den Hype um Littells Roman mittels einer nach Dialog-Marketing riechenden Website, auf der täglich hunderte Ihren Senf abgeben dürfen und dadurch ungewollt Teil des Vorverkaufs werden. Es ist die Simulation einer Debatte, die in Deutschland niemand mehr braucht und die auch nie in Wirklichkeit stattfinden wird. Auch der Vorabdruck selektierter Passagen in der FAZ (zweifellos um das genasführte Stimmvieh für die Bestsellerliste aufzubringen) stilisierten den ehemaligen Science-Fiction-Autor Littell („Bad Voltage“) geschickt zum Wunderkind der Saison, obwohl es bei weitem nicht neu ist aus der „Täterperspektive“ zu schreiben. Robert Merles berühmter Roman von 1952 La mort est mon metier, die doku-fiktive Lebensgeschichte des KZ-Kommandanten Höß, scheint heute ebenso vergessen zu sein wie Jorge Louis Borges’ Erzählung Deutsches Requiem. Der brauchte nur etwa 2300 Wörter um den Punkt zu machen, den Littell auf fast 1400 Seiten nicht findet.
Beide literarischen Vorläufer wurden bislang von keinem Rezensenten erwähnt, – wissen sie es nicht oder wollen sie es nicht wissen? Daß es nicht überall mit rechten Dingen zugeht, beweist zumindest das plötzliche Umschwenken Tilman Krauses (DIE WELT), der 2006 den Roman noch als „Nazi-Kitsch“ titulierte und sich jetzt nicht scheut Littells bescheidene Schreibe mit der von Georg Bateille und Jean Genet zu vergleichen. Wie opportun kann einer sein?
In Frankreich wurde der Roman übrigens – entgegen der astronomischen Verkaufszahl von geschätzten 800 000 Exemplaren – von der Kritik heftigst zerrissen. Und in Spanien – wo der Roman 2007 erschien – wurde die Schwarte zum Flop. Auch hierüber wird in Deutschland geschwiegen.

Sicher, Littell schreibt mit dem Enthusiasmus des inspirierten Dilettanten und das Lesen seines Romans mag kurzweilig sein, doch einen Erkenntnisgewinn gibt es nicht. Und je weiter die Handlung voranschreitet umso banaler wird das ganze Ge-Aue: Man glaubt das Drehbuch zu einem Sequel von Don Edmonds »Ilsa -– She-Wolf of the SS« zu lesen. Auch Lee Thompsons kaum bekannter Streifen »The passage« (mit Malcom McDowell) dürfte dem Autor bekannt sein, ganz zu schweigen von seinen offensichtlichen Anleihen bei Passolinis „Salo“, der den Folterreigen italienischer Faschisten schon 1975 genüßlich zelebrierte. Lose eingestreute biografische Details aus Aues Biografie, die unglückliche Liebe zur Schwester, der Mutter- und Vatermord, bilden die gelegentlichen inneren Fluchten aus der ansonsten monoton voranschreitenden Handlung, doch auch diesen Momentaufnahmen fehlt es an Tiefe, sie wirken wie abgepaust, oder wie von Steven Spielberg auf pure Effekt- und Mitleidshascherei stilisiert. Aue bleibt diffus und vielleicht ist es genau das was uns in der Gestalt dieses hassenswerten Protagonisten begegnet - ein konservierter Fetzen des Nebels, den Milan Kundera einmal mit folgenden Worten beschwor: „Die Menschheit schreitet auf ihrem Weg durch einen dichten Nebel voran: Blickt man zurück auf die Vergangenheit, dann ist dieser Nebel verschwunden, man sieht nur die Fehler, die Fehltritte, die gemacht wurden, den Nebel sieht man nicht mehr.“ Doch um diesen Nebel zu beschreiben, muß ein Autor seine imaginierenden Leser nicht über epische Längen zukacken!

Kakophonie ohne Ende

Littells schrille Stimme mag nicht alltäglich sein, aber selbst das Etikett„Prix Concourt“, kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß er in natura ein Fußgängerfranzösisch schreibt, das vom wohlmeinenden deutschen Verlag auf die Zähigkeit einer Schuhsohle dehydriert wurde. Was die Wandlungsfähigkeit seiner Sprache betrifft, so hat man – synchron zur inhaltlichen Bandbreite – nach den ersten 200 Seiten bereits alle Vielfalt gehört und keinen Wunsch mehr weiter zu lesen. Der Klang stumpft von Seite zu Seite ab, ein symphonischer Roman sieht anders aus, vor allem langweilt er seine Leser nicht über volle siebzig, achtzig Seiten, in denen de facto nichts weiter passiert, als das neue Leichen anfallen und Aue „kalt und präzise“ über seine Darmkoliken halluziniert.
„Ich wurde von einem heftigen Stuhlgang gepackt und lief auf die Toilette, die Scheiße quoll dickflüssig heraus, ein ununterbrochener Strom, der die Schüssel rasch füllte, er stieg, während ich unablässig weiter schiss, die Scheiße berührte bereits die Unterseite meiner Schenkel, bedeckte Hintern und Sack, aber mein Darm entleerte sich unablässig weiter.“
Man braucht wahrscheinlich bestimmte Veranlagungen um diesem Text ästhetischen Genuss abgewinnen zu können. Selten gelingt Littell einmal ein halbwegs poetisches Bild: „Fieberhaft knöpfte ich meine Hose auf und hockte mich hin; doch anstelle von Scheiße quollen Bienen, Spinnen und Skorpione aus meinem After hervor. “
Auch die Ersatzbefriedigung an einer jungen Frau, kommt nicht ganz ohne Brauntupfer aus: „Als ich sie unter meinen würgenden Händen kommen und pissen sah, sah ich die erhängten Frauen von Charkow, die sich, während sie erstickten, über den Passanten entleerten…“
Zu Littells Ehrenrettung muß man betonen, daß er sein heimliches Thema bis zum Schlussakkord durchhält: „ Den zu Skeletten abgemagerten Häftlingen, die sich bei der Evakuierung von Auschwitz unter ihre Decken duckten, klebte auch Scheiße an den Beinen, Beine, die wie Streichhölzer aussehen.“ Und das sind nur wenige von hunderten Sch**ßstellen, die es gibt. Wer sich nicht vorstellen kann, das es möglich ist die Themenkreise Fäkalienschlacht, Judenjagen und Homo-Erotik abwechselnd über eintausend Seiten auszubreiten, der wird von diesem Roman eines Schlimmeren belehrt werden. Vom anfänglichen Nervenkitzel bleibt nach diesem Tort nicht viel übrig. Der Leser stumpft ab und freut sich fast schon auf die nächste standrechtliche Erschießung, nur um nicht lesen zu müssen wie sich SS-Mann Aue die Hoden rasiert, seine Kumpels bei einer Doppel-Penetration überrascht oder einem gehängten Juden, bei der letzten Ejakulation zusieht. Man muß literarisch schon verdammt unterbelichtet sein, um sich diesen Quatsch von der Frankfurter Schirrmacher-Maschine als den großen Wurf verkaufen zu lassen!

Das ausgeblendete Grauen

Erwartungsgemäß bricht der Roman da ab, wo die Deutschen endlich dran sind reihenweise ins Gras zu beißen. Von der langen und nachhaltigen Rache der Sieger findet sich fast nichts in Max Aues ansonsten so peinlich genauen Annalen. Immerhin, nach der Kapitulation verloren noch unzählige deutsche Zivilisten ihr Leben. Völkerrecht, Haager Konvention, Menschenrechte? Nie gehört. Rechtlos, zu Freiwild abgestempelt, begann das große Spießrutenlaufen der Deutschen, Italiener und Österreicher. Demütigungen, Mißhandlungen aller Art, Vergewaltigung, Folter und Totschlag, massenhafte Ermordung gefangener Soldaten und Zivilpersonen waren noch viele Monate lang an der Tagesordnung. Warum weiß Aue, der Connaisseur der Gewalt-Pornografie, der
kleine Enkel des Marquis de Sade, davon nichts? Warum werden diese Orgien der Gewalt, wie sie die Sieger in allen gefallen Städten des Reiches feierten, nur sporadisch erwähnt? Könnte es daher kommen, – und diese Frage mag einmal erlaubt sein –, daß Littell selbst osteuropäischer Herkunft ist, sein Schuld- und Schmerzgefühl nicht ganz so stark ausgeprägt ist, wenn es um die anderen geht?
Sein Held entkommt jedenfalls rechtzeitig und ungeschoren nach Frankreich, wo er das Leben eines Fabrikanten von Spitzenware beginnt. Und hier schließt sich der Kreis. Alles ist wieder gut. Die meterhohen Schichttorten aus den Gebeinen unterschiedlichster Völker sind verschwunden, nur Aues Dünnmarsch ist einer bürgerlichen Dauer-Verstopfung gewichen, man wünscht diesem Rosa von Braunschwein fast den „sitzenden Tod“. Zurecht fragt sich die Kritikerin Iris Radisch in der ZEIT warum man diese Memoiren „eines schlecht schreibenden, von sexuellen Perversionen gebeutelten, (…)Idioten“ überhaupt lesen sollte.
Die Antwort ist – zumindest für das philosemitische Establishment und seinen bieder gesinnten Feuilleton-Schreibern – recht einfach : Der grelle Ton macht Littells Roman zu einem wichtigen Baustein im Kollektivschuld-Zirkus der Deutschen. Hier schafft ein grüner Junge fast linkshändig die Transkription des Holocausts in die zeitgemäße Vulgär-Ästhetik der jungen Generation.
Der abstrakte, industrielle Prozess der Vergasung (Unterhaltungswert Null) wird zum Killerspiel auf der literarischen Playstation, zum Splatter-Comic-Buch für die ganz „Coolen“. Auch sie dürfen niemals vergessen. Und deshalb – und nur deshalb – muß dieser Roman den Deutschen als Erfolg verkauft werden.
Bedauerlich, daß durch die Typologisierung Aues als Archetyp des SS-Manns ein weiterer Keil zwischen die „Spätgeborenen“ und ihre Urgroßväter getrieben wird: Den Terminator zu spielen ist eine Sache, in ihm einen Menschen zu sehen ist unmöglich.

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9.12.07.

Jingle Bells: Wenn das Alarmglöckchen klingelt…

Merry Christmas allerseits! Jingle Bells, Jingle Bells… Wer in diesen Tagen durch die Friedrichstraße in Berlin geht, könnte meinen, er befände sich in einer amerikanischen Stadt. Die Transparente in den Schaufenstern scheinen sich offenbar nur an anglo-amerikanische Touristen zu richten, doch von denen ist nicht viel zu sehen. Eigentlich hört man nur Russen und Polen, die hier bepackt wie die Maulesel mit ihren Mädels flanieren. In den Cafes spielt nach wie vor fast ausschließlich englischsprachige Musik. (Nix zu hören von Rosenstolz und Zwei-Raum-Wohnung.) Im „STARBUCKS“-Cafe bestellt man a cup of coffee. Und dazu Muffins und Bagles und Fudgecake. Gnade dem, der hier kein Englisch spricht. Ein paar ältere Typen, die aussehen als würden sie beim SPIEGEL arbeiten (das Büro liegt tatsächlich um die Ecke) bestellen auf Englisch, während sie sich untereinander auf Denglisch unterhalten. Der Unterschied ist zum Glück noch zu hören.
Eine schnell ergriffene Zeitung ist auch kein Ausweg aus der babylonischen Situation: Die Stellenanzeigen der Wirtschaft kann nur noch lesen, wer ein ausgezeichnetes Englisch spricht. Da werden mal wieder Controllers gesucht, Consultants, Account Manager, Supervisors, Groupheads – man fragt sich, ob man vielleicht irgendwas verpasst hat, eine Art sprachliche Invasion vielleicht, im Gefolge von Valentins Day und Halloween? Werden diese Tage nicht auch erst seit einigen Jahren gefeiert? Wer führt eigentlich solche Feiertage ein – die Wirtschaft oder die Politik? Und warum umarmen die Deutschen das Englische, diese vermeintliche Sprache der Globalisierung, so devot wie keine andere europäische Nation? Ist es vielleicht nur eine vorübergehende „Ich-Störung”? Oder zeigt sich erst jetzt – sechzig Jahre nach dem Ende des II. Weltkriegs und dem ebenso langen Wiederkäuen der Schuld – der Verlust der kulturellen Identität durch die Ablehnung der eigenen Sprache? Das „Scheiß-Deutsch“ riecht nun mal nach Schande, Gas und Horrorkautz. Vor allem die Jüngeren ziehen es vor als gute US-Imitate zu gelten. Sie sind längst nicht mehr heimischer in ihrem Land als – sagen wir mal – die Zugezogenen mit Migrationshintergrund. Daß Menschen keine Heimat mehr haben, zeigt sich nicht zuletzt immer an ihrer bis in die Wurzeln verkrüppelte Sprache.
Eine logische Erklärung gibt es nicht: Es gibt nachweislich über 100 Millionen Europäer, deren Muttersprache Deutsch ist. Deutsch ist die am häufigsten gesprochene Sprache Europas – noch vor dem Spanischen, und noch weiter vor dem Englischen. Doch die öffentliche Meinung ist anders. Fragt man zum Beispiel einen jungen Mann, der gerade in seinem outdoor jacket am Tresen ansteht, und so aussieht als hätte er gerade ein Work-out bei „Holmes“ , dem Health Club, hinter sich, dann hört man: „Englisch wird doch überall in Europa gesprochen. Damit kommt man durch.“
Eine verhaltenstechnologisch relevante Meinung, die von einer gut gestylten, jungen Dame, die nach eigenen Aussagen im „Wellness-Bereich“ arbeitet, geteilt wird: „Ohne Englisch kann man bei der Bahn nicht mal mehr ein Ticket bestellen.“
Also dann, STARBUCKS Adé, das Alarmglöckchen klingelt… Ich verabschiede mich mit einem heiteren „See you!“ und die Kassierin verabschiedet mich mit einem leise hingehauchten „Bye.“
Was soll ich noch sagen?
Unsere französischen Nachbarn haben längst ein Gesetz zum Schutz ihrer Sprache. (seit 1986). Wäre das nicht mal was für die große Koalition? Nike Vretements du sportif mag zwar weniger griffig klingen als Nike Sportswear, aber dafür gibt es heute noch keinen Ansatz von Fenglisch.

VORSICHT: Sie wurden soeben mit meiner Meinung konfrontiert.
Zu Risiken und Nebenwirkungen befragen Sie Ihren Therapeuten.

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10.11.07.

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Photo: With Courtesy of AFP

Die grausame Fratze der Macht

Was könnte widerwärtiger sein, als diese Imitation eines Lächelns
rechts von Rick Yarosh, des jungen Amerikaners, der gestern zusammen mit anderen im Irak-Krieg verwundeten Soldaten - von seinem „obersten Kriegsherrn“ im Brooke Army Medical Center in San Antonio besucht wurde? Der Zynismus des Erdöl-Kreuzritters Bush macht nicht einmal vor restlos ruinierten Menschen halt.. Mir wurde heute morgen quasi schon vom Zeitungslesen schlecht. (Normalerweise stellen sich solche Symptome erst abends nach den Nachrichten ein, wenn ich Close-ups unserer ReGIERenden sehe…)

Leider finden solche Berichte – wie der über Bushs Steppvisite im Vorhof der Hölle - nicht ihren Weg in deutsche Tageszeitungen. Hier wird nassforsch behauptet Amerika „denke nicht“ an einen neuen Krieg (mit Iran), obwohl man zum Beispiel in der niederländischen Presse genau das Gegenteil liest: Chief Executive Officer Bush (der globale CEO mit der licence to kill) scharrt gerade eine Allianz von strange bedfellows um sich, - Neider, politische Marodeure und Habenichts-Staaten –, die zusammen mit ihm in den Krieg ziehen werden um den Iran von seinen Rohstoffquellen zu trennen.
Das Leid, das der Kampf ums Öl bislang über die Menschen gebracht hat, wird in Deutschland gewohnheitsmäßig ignoriert: Es geht hier immer nur um das Höchste, um Werte und Ideologien, nur nicht um die Realität, das Nadelöhr unseres Daseins: die Materie, Reichtum und Geld.

Und George Double-U. grinst verschmitzt vor sich hin, als ob so ein entstelltes Menschenkind gar nichts wäre, als ob mit diesem Brandopfer irgendeinem patriotischen Schwachsinn gedient sei. Mein Mitgefühl gilt Rick Yarosh und seiner Familie: Peace & love, brother… May your courage be rewarded by a higher boss.

VORSICHT: Sie wurden soeben mit meiner Meinung konfrontiert.
Zu Risiken und Nebenwirkungen befragen Sie Ihren Therapeuten.

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Entdecker der Doppel-Helix wegen “Rassismus” entlassen

Zur Ehrenrettung von James D. Watson

James D. Watson, der geniale Molekularbiologie, wurde gerade wegen „Rassismus-Vorwürfen“ gefeuert. Dabei wiederholte er nur etwas, das man schon 1994 in „The Bell curve“ nachlesen konnte und was damals die Politisch-Korrekten auf den Plan rief. Trotz der Kontroversen, die dieses Buch auslöste, gibt es – und jeder möge es selbst nachlesen - tatsächlich rassische und ethnische Unterschiede beim IQ, die nicht durch Umgebungsfaktoren wie Ernährung, Sozialisation oder Diskriminierung erklärt werden können. Und ja, sorry, bestimmte ethnische Gruppen schneiden dabei leider nicht so besonders gut ab. Die Untersuchungen der Havard-Professoren Richard J. Herrnstein und Charles Murray wurden tausendfach gecheckt und gegengecheckt, die Ergebnisse lassen sich nicht ändern. Menschen sind nun einmal nicht gleich. Die Politisch-Korrekten begehen heute denselben fatalen Fehler wie die Rassenforscher vor fast 100 Jahren, in dem sie selbst wissenschaftliche Befunde durch die ideologische Brille sehen wollen. Das ist Augenwischerei. Selbstbetrug. Die Welt ist nun mal so wie sie ist. James D. Watson ist vieles, ein Atheist, ein Zyniker, vielleicht sogar ein kleines Monster: Ein Rassist ist er nicht. (tk)

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10.10.07.

KOMMENTAR: Zur öffentlichen Hinrichtung von Eva Herman

Rufmord und Folgen – zwei Rufmorde im Vergleich

Es war ein telekratisches Autodafé, Kerners Show am 9. Oktober, ein bunt beleuchteter Pranger: Der Richter, ein glatter Medienkasper, seine Beisitzerinnen, ein Alt-Erotik-Star (kenne die Berger eigentlich nur aus der Werbung für Hämorridencreme oder Gebissreiniger), daneben eine gefallene RTL-Moderatorin, die ihre Chance zum Comeback mit Händen und Füßen ergriff, frei nach dem Motto „Was Lea Rosh kann, kann ich schon lange.“
Auch ein Jüngelchen hatte man zwischen den reiferen Frauen platziert. (Die Männerquote scheint Kerner wichtig zu sein. ) Und mittendrin natürlich Eva Herman, die buchstäbliche Blondine vom Dienst. Angetreten eine Sachdebatte anzuspannen und das „kleine Missverständnis“ aus dem Weg zu räumen, tappte sie prompt in die Nazi-Falle. Das Wort wird hier in der Schweiz von der Presse gebraucht. In Deutschland wäre schon die Erwähnung derselben ein dringendes Verdachtsmoment gegen den, der auf die Nazi-Falle verweist. Doch welcher Deutsche würde noch ernsthaft bestreiten, daß die öffentliche Sprache einer neuro-linguistischen Programmierung unterliegt? Es scheint nicht nur einen unausgesprochenen »Holocaust-Knigge« zu geben, sondern auch einen umfangreichen idiomatischen Verabredungskatalog, der eine allgegenwärtige verhaltenstechnologische Grammatik der Gesellschaft bestimmt.
Man möchte nicht von Konditionierung sprechen, doch Margarete Schreinemaker, eine der Beisitzerinnen, begann angesichts der von Eva Herman geführten Rede sichtbar zu speicheln. Zudem bekundete sie lautstark „erhöhten Puls“, was für eine physiologische Abwehrreaktion spricht.
Frau Herman, die bisher nur die Sonnenseite des Lebens kannte, scheint das Opfer ihrer eigenen Verdrängungsmechanismen geworden zu sein. Anders ist es kaum zu erklären, wie sorglos sie denen die Munition liefert, die mit großen Kalibern auf sie schießen. Die Kultur des Diskurses, auf die Herman als Autorin blauäugig spekulierte, gibt es in Deutschland schon lange nicht mehr. Immer häufiger liest man von „verminten Gebieten“, von „Deutungshoheit“ oder von „Worten, die nicht fallen dürften“. Deutlicher kann eine Presse nicht bekennen, wie unfrei sie ist.
Wer fast die Hälfte seines Lebens im Ausland gelebt hat wie ich empfindet diese idiomatischen Fall- und Würgeschlingen als klare Bevormundung. Sie existieren in dieser spukhaften Subtilität weder im angloamerikanischen noch im niederländischen Sprachraum und zeigen wie unfrei und kleingeistig dieses Land im Inneren wieder ist. Denn nach dem Kerner-Eklat geht es nun nicht mehr um Hermans liebenswert altbackene Thesen, es geht um ihre verbalen Verstöße gegen die Sprachbarrieren, die das öffentliche Leben bestimmen. Frau Herman nannte es tatsächlich „gefährlich“ über die deutsche Vergangenheit zu sprechen – Sakrileg! Da musste die Falle doch zuschnappen: Kerner, selbst geschockt, warf seinen Gast mit etwas Verspätung aus der Sendung. Damit wurde Herman mit einer Geste zur persona non grata und als massenkompatible Gegenstimme zur Regierungspolitik neutralisiert. Kerner hatte ihr – wie er immer wieder betonte – „jede Chance gegeben“, sie die Hand der Versöhnung unterkühlt ausgeschlagen. Und das ist etwas, was heute besonders schwer wiegt: Die blonde, blauäugige Hexe (ja, auch ihr Phänotyp ist für bestimmte Leute Indiz) wirkt unbeugsam und ist nicht bereit um Vergebung zu bitten. Genau dieses Rückgrat ist es, was – aus meiner eigenen Erfahrung - die Hintermänner der medialen Femegerichte so reizt. Die erwartete Unterwürfigkeit fehlt, die Bitte um Absolution durch eine unnennbare, aber medial höchst schlagkräftige Macht.
Als „Unverbesserlicher“ (DIE WELT über T.K.) spreche ich hier einmal aus eigener Erfahrung, wobei ich vorausschicken muß, daß ich nicht wie Frau Herman mit Samthandschuhen angefasst wurde.
Meine Verhaftung durch Deutschlands Gedankenpolizei nahm im Februar 2004 ihren Lauf, als mir ein einziger psychotischer Meinungssoldat des SPIEGELs unterstellte ein „Revisionist“ und „rechter Schläger“ zu sein. Quelle seines Verdachts waren unbedachte Äußerungen meines ehemaligen Verlegers, ein Ausdruck eines „Werkstattberichts“, den ich gar nicht verfasst hatte, private Randnotizen, sowie Stellen in einem unredigierten und von mir nicht autorisierten Manuskript. Es ging um kein gesellschaftspolitisches Manifest, keine Parteigründung, sondern schlichtweg um ein literarisches Werk.
Wie Eva Herman beging ich den Fehler nicht sofort mit einer einstweiligen Verfügung gegen das Nachrichtenmagazin vorzugehen und auf die Herausgabe des zitierten und offenbar aus einem Datendiebstahl stammenden Materials zu drängen. Ich schrieb stattdessen einen offenen Brief, den man jederzeit im Netz nachlesen kann. Er änderte nichts: Ist der Grundton einmal von einem Leitmedium gesetzt, schlagen alle wie wild darauf los. Bezeichnend ist die Form des Ereiferns, wie es das Medien-Sternchen Thea Dorn in »buchreport« praktizierte: „Die widerliche Fluchtrichtung des ganzen Werkes ist ja, uns zu erklären, daß der Nationalsozialismus nichts besonders Deutsches ist, sondern eigentlich nur eine Vortrainingsstufe für die USA, weil die Amerikaner eigentlich die besseren Faschisten sind!!!“
Ich dachte damals: Klar, daß es einem Ungeheuer unerträglich sein muß, einem noch größeren Ungeheuer zu begegnen. Dorn entlarvte sich selbst und welchen Geistes Kinde sie ist.
Die Rezeption meines Romans wurde jedenfalls mit allen Mitteln gestört, die Buchhändler bekamen das große Zittern. Plötzlich war es, als hätte ich die „Satanischen Verse“ geschrieben, und jedes Wort, was ich sagte, sah ich bald -– in Anführungszeichen gesetzt – in irgendwelchen Presseberichten.
Obwohl der SPIEGEL eine Unterlassungserklärung unterschrieb, was dem Eingeständnis eines Fehlverhaltens gleichkommt, griffen Provinzblätter und Internet-Foren die längst revidierten Vorwürfe auf, als ob es diese Unterlassungserklärung gar nicht gäbe! Sie schrieben einfach voneinander ab, in blinder Wiederholungsmanie, und führten so zu einer Flut von Anschuldigungen auf schlimmsten Niveau. Selbst meine Haarfarbe und der „nordisch klingende“ Vorname wurden mir angekreidet. Rassismus pur, könnte man sagen. (Die TAZ diskriminierte mich sogar wegen eines braunen T-Shirts.) In Berlin stürmte ein lyrischer Fuselbrenner nach SA-Manier die Bühne und bellte mich wie einen Hundeheiligen an. Danach hagelte es Morddrohungen, – ob es da vielleicht einen Zusammenhang gab?
Mein Verlag versuchte alles Erdenkliche an Öffentlichkeitsarbeit, ich verklagte zig Journalisten, ohne nennenswerten Erfolg in der Sache. In der Presse wurde fleißig an meinem „dämonischen Image“ gefeilt. Ein Rezensent der Neuen Züricher Zeitung bescheinigte mir „genetische Defekte“, die Süddeutsche witterte dagegen „Kampfthesen“ in meinem Gepäck. Begründet wurde das alles nicht. Nur die Hasstiraden setzten sich fort. Ein freier Mitarbeiter des ZDF warnte mich, Wolfgang Herles, der »Aspekte«-Chefredakteur hätte seinem „Werkzeug fürs Grobe“, dem Skandal-Journalisten Tilman Jens, den Auftrag erteilt „mich fertigzumachen“. Es wäre meine „uneinsichtige Haltung“, die auch Armin Conrad, Chef-Redakteur von »Kulturzeit«, missfiel. Das war wohl der konkreteste Vorwurf, den ich in zwei Monaten hörte.
Als klar war, daß ich keinerlei Rückendeckung hatte, standen nun auch die Versager des Kulturbetriebs Schlange: Mal reintreten, es kostet ja nichts… Was tatsächlich in »Endstufe« stand, war längst Nebensache, sie hatten es ohnehin nicht gelesen – so wie der strohdumme Rundschau-Reporter Christoph Schröder, der das auch noch offenherzig zugab und den Roman dennoch zerriß! Was ich denken könnte, heimlich denken, das stand jetzt zur Debatte. Meine fremde Gedankenwelt also. Selbst der FAS-Feuilleton-Chef, der »Endstufe« zunächst „ein glänzend geschriebenes, ungeheuer interessantes Manuskript von einem der besten Autoren der jüngeren Generation“ nannte, machte den Rückzieher. „Es wird nie wieder aufhören, nie wieder!“, schrieb er, als ich ihn bat mir wenigstens gelegentlich Raum zur Richtigstellung der verdrehten Tatsachen einzuräumen. Er tat es nicht und offenbar hatte er recht, denn je mehr ich gegen die wüsten Diffamierungen meiner Person protestierte, um so schlimmer wurde es. Als die »Endstufe«-Lesereise begann, waren die Mitarbeiter des Eichborn-Verlags quasi rund um die Uhr mit dem Abwimmeln von hysterischen Telefonanrufern beschäftigt. Meine Frau verließ vorübergehend Berlin und ein Sekundenschlaf auf der Autobahn kostete mich beinahe das Leben. All das persönliche Elend wurde von der Presse verschwiegen. Es war fast unheimlich. War der eine Verdacht zerstreut, wurde ein neuer von einer anderen Medienmacht produziert. „Er hat den Holocaust vernachlässigt“, blökte es jetzt. – War das des Pudels Kern? Die heimliche Ursache des Aufruhrs?
Rückblickend muß ich sagen, daß mir zu diesem Zeitpunkt immer mulmiger wurde. Ich wollte keine schlafenden Hunde wecken. So ertappte ich mich dabei wie ich in Interviews über Themen redete, die weder das Thema meines Romans waren, noch sonst etwas mit mir zu tun hatten. Ja, Interviews waren eine einzige Qual: Manche Worte blieben auf halbem Weg in der Kehle stecken und sorgten bei mir für eine bis dahin nicht gekannte Befangenheit. Hinter allem vermutete ich Suggestivfragen und antwortete darauf mit einer schwammigen Glätte, die gut zu Roland Koch gepasst hatte. Paranoia sorgt dafür, daß sich die klarste Rede in nebulösen Sätzen verflüchtigt und ja, ich war paranoid.
Daß es »Endstufe« trotzdem auf die Bestseller-Liste schaffte, daß Auslandsübersetzungen folgten und die renommierte österreichische Filmproduktion DOR gerade eine Verfilmung (Regie: Paul Poet) mit Eugene Hutz und Nadeschda Brennicke plant, lässt hoffen, daß sich auch Eva Hermans Leserinnen nicht von ihrer Lektüre abbringen lassen. Es kann nichts schaden über konservative Lebensformen nachzudenken, selbst wenn sie die Vorstellungen der Familienministerin konterkarieren.
Vormachen sollte sich die Autorin allerdings nichts: Ihren lukrativen Platz auf der Sonnenseite des Lebens hat sie verwirkt, sie wird lernen müssen mit massiven Gegenwinden und Treibsand zu leben. Die Zuschauer mögen ein Kurzzeit-Gedächtnis haben, das Internet scheint sich dagegen zur Dauer-Verleumdungsmaschine zu mausern. Schon jetzt wird Herman im Netz die „Nazi-Tante“ genannt. Daß das nicht stimmt, dieses Lippenbekenntnis wird Frau Herman jetzt immer öfter im Kreis von Kulturbetriebfunktionären und amorphen Medien-Feiglingen ablegen müssen : „Sie sind doch nicht wirklich rechts, oder? Habe Sie heute morgen gegooglet…“ Ich habe solche Sätze schon öfters gehört, sehr oft sogar. Selbst wenn Frau Hermann ihr mediales Femegericht überlebt hat, die Gedankenpolizei Deutschlands hat sie vorläufig und auf unbestimmte Zeit in Schutzhaft genommen.

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Kurskorrektur

2.10.07.

Alle Geschichten, die ich kenne, sind Amalgame aus imaginären und wahren Begebenheiten, dasselbe trifft auch auf die offizielle Geschichtsschreibung zu, mit ihrer apologetischen Funktion als rückwärts gewandte Weltstaatsbürgerkunde, die alles Geschehene nachträglich eskamotiert und rechtfertigt, um den Eindruck, die Welt befände sich „auf dem richtigen Kurs“ zu vermitteln.
Doch sind wir auf dem richtigen Kurs? – Die seit Ende des II. Weltkriegs betriebene Anstrengung der Vereinigten Staaten ihre „westliche Hemisphäre“ in Europa immer weiter nach Osten auszudehnen, dient – und diesen Zusammenhang sollte man niemals verschleiern – ihrem maximalistischen Endziel, einer Welt “mit einem Gesicht”, nicht unähnlich dem „Endziel“ der Nationalsozialisten. Zur Verwirklichung ihres Konzepts haben die Amerikaner weder Bombenkriege noch den Einsatz „ökonomischer Attentäter“ (Agenten der NSA) gescheut. Welche Verluste die Zivilbevölkerung dabei erleidet ist den Geo-Faschisten gleich: Menschen ertragen ohnehin was sie aushalten müssen und so ist es nur eine Frage der Zeit bis der Krieg gegen den Iran losbrechen wird, womöglich – nein, sehr wahrscheinlich sogar – mit deutscher Beteiligung. – Widerstand gegen den opportunistischen Kurs der rot-schwarzen Gartenzwerg-Koalition? Ich kann ihn beim besten Willen nicht sehen… Von den Grünen, deren Elite sich inzwischen als ein Sammelsurium heillos entwurzelter und verwirrter Persönlichkeiten präsentiert, ist ebenso wenig eine Kurskorrektur zu erwarten wie von den anderen Splitterparteien, zu denen man inzwischen auch die FDP zählen muß. Ein Zünglein an der Waage ist sie schon lange nicht mehr, eher ein Druckgeschwür, das gelegentlich die Lage des Bürgers verschlimmert. Entstanden ist eine irrwitzige geschlossene Gesellschaft der Geldkreisläufe und Gesinnungssatrapen, deren Kälte schlimmer nicht sein könnte. Wer die allgemeine seelische Verwahrlosung seiner Mitmenschen ignorieren kann, ist zu beneiden. Ich jedenfalls werde hier die Zelte wieder abbrechen, lieber heute als morgen. (tk)

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Das Wort zum eigenen Geburtstag

2. 9. 07.

Sehen wir uns um: Die letzten ikonografischen Stützpfeiler des Westens sind heute, im September des Jahres 2007, das Geld und die Pornografie. Kapital und Instant-Orgasmus, monetäre und biologische Gewalten, bleiben die letzten harten Werte und absurderweise die Bastionen unserer Freiheit.
Sie halten die Massen in Schach, blockieren deren Abwanderung in die Oasen der Sinnhaftigkeit wie sie der Islam und andere lebendige Religionen vermeintlich bieten. Nur, was sind 283 Huris im Garten Allahs gegen handfesten irdischen Reichtum? Alles jetzt, Spielgeld und Pussy Galore – mehr braucht der an Materialismus geschulte Homo ludens nicht, um sich vor »Allmighty Dollar« in den Staub zu werfen.
Auch die Ultra-Linke – und das von ihr gezüchtete urbane Subproletariat – sinkt verzückt in die Knie. Sie hat das Geld längst als Mittel der Selbstverwirklichung begriffen. Kohle ist cool. Der Porno, - in Form einer ständig verfügbaren, harten technologischen Droge -, beweist dem mündigen Bürger das Ausmaß der Freiheit, die er genießt.
Moralische Bedenken - wieso? Er darf sich an den missbrauchten Körpern delektieren, denn die Darstellerinnen wurden bezahlt.
Der amerikanische Moralkodex? - Wer reich ist, darf fi**en: Wer arm ist, wird gefi**t: Wer sich fi**en lässt, wird – na, was wohl? – befreit…
Zu explizit? Tut mir leid, es läßt sich manchmal nicht anders formulieren. Außerdem ist heute mein verdammter Geburtstag, und ihr könnt mir glauben, ich habe nicht wirklich - innerlich, wenn ihr wisst was ich meine - gefeiert. Dazu gibt es einfach keinen Grund. Die oben aufgeführte Kausalkette ist die hormonal verankerte Doktrin der Neuen Weltordnung, es ist schwer ihr zu widerstehen, denn sie entspricht in einem hohen Grade unserer biologischen Programmierung. Sie besagt, daß der wirtschaftlich Stärkere das Recht hat den wirtschaftlich Schwächeren zu vernichten, zu verwerten, zu… Na, ihr wisst schon. In diesem Sinne ist sie die Fortsetzung - nicht das Äquivalent - der faschistischen Weltordnung mit kapitalistischen Mitteln. In diesem Sinne: “Man brachte Huren nach Eleusis hin. Und setzte Leichen zum Gelag. Auf Geheiß von Usura.” Schrieb ein Dichter namens Ezra Pound. - Usura? Der Wucherer, wer sonst.

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30.8.07.

Börne-Preis 2007: Blindlinks & grobschematisch zum Erfolg.

H.M. Broder gehört in erster Linie zu denen, die sich auf Kosten der 6 Millionen ermordeten Juden produzieren. Ich glaube, er gibt keinen Pfifferling auf die industrialisierte Abschlachtung dieser Menschen, sein feistes Ego läßt echte Empathie mit “Verlierern” nicht zu. Seine deutliche Geringsschätzung für Schwächere, für Sensible, für Verletzte, zeigt sich in allem, was er mit menschenverachtender, skripturaler Zyne blindlinks und grobschematisch verspritzt. Er ist ein dummer, schreibender Phallokrat, der mit Absicht ins Fettnäpfchen tritt.

In zweiter Instanz beleidigt er ununterbrochen die arabische Welt und den Islam, indem er ganz offen den zionistischen Standpunkt vertritt. – Zionisten? - Das sind Nazis mit umgedrehten Vorzeichen, Typen wie Edgar Bronfman & Son, die den Jewish World Congress zur Durchsetzung ihrer geschäftlichen Interessen missbrauchen. Die meisten dieser Superjuden glauben sie wären der Nabel der Welt. Broder würde gerne zu diesem Klüngel gehören, doch irgendwie lassen ihn die wirklich wichtigen Leute nicht rein. Das hat seinen Grund: Broder ist kein Geschäftsmann, er ist ein verkrachter Schriftsteller, der sein Talent zur Hure gemacht hat, doch leider nur halbherzig: Hätte er wirklich Chuzpe, und wäre er wirklich ein relevanter Journalist, er wäre längst ins Fadenkreuz von fanatischen Islamisten geraten. Doch zwischen ihm und Theo van Gogh, Harant Dink oder Anna Politkowskaja liegen Welten. Broder bleibt nur ein kleiner Wadenbeisser, der sein Handwerk bei den St.Pauli-Nachrichten gelernt hat. Die 20 000 Tacken sollte er gut anlegen, denn sobald sein Kumpel Stefan Aust abgedankt hat, wird der Schmock für immer von der Bildfläche verschwinden. Seine scheinheilige Frage, ob er “verrückt” sei oder “die anderen” (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft /0,1518,490497,00.html) hat sich schon Ulla Berkovicz vor ihm gestellt und scheint typisch für Psychopathen zu sein, die von ihrem wahren Problem ablenken wollen, indem sie es offen in den Raum stellen. (tk)

PS 1: Das Niveau von Ludwig-Börne-Preisträger Henryk M. Broder zeigt sich übrigens in allem was er anpackt - auch in seinen Neujahrsgrüßen. Ein großer Journalist, dieser Broder, ein strahlender Stern in der Rangordnung durchlauchter Geister… (rbi)

porno-broder.jpg
(Screenshot nur zum Zweck der Dokumentation. - rbi)

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