Selbstermunterungen
*************************************************************************************Lebendiges Deutsch - Vokabeltrainer, Teil I.
Die Londoner TIMES nannte die Anglomanie der Deutschen kürzlich “Linguistic submissiveness” , also “sprachliche Unterwürfigkeit”, ein Phänomen, daß früher nur nur die Kolonisatoren und Missionare aus ihrem Umgang mit unterworfenen Eingeborenen kannten. Sprachpflege ist individuelle Anstrengung, keine staatlich verordneter Leitkultur-Schmonzes. Hier ein paar Vorschläge und Updates wegen der Finanzkrise:
Shareholder value = Aktionärsnutzen, Countdown = Startuhr, Junkbonds = Schrottanleihen, Airbag = Prallkissen, Brainstorming = Denkrunde (besser noch “Hirnhatz”), Fastfood = Schnellkost, T-Shirt= T-Hemd, Email = Strombrief, E-Brief, Laptop = Klapprechner, Callcenter = Rufdienst, Stalker = Nachsteller, Fastfood = Schnellkost, Looser = Verlierer, Background = Hintergrund, Headline = Schlagzeile, Fashion = Mode, Airport = Flughafen, Job Center = Stellenvermittlung, Style = Stil, chatten = plaudern, Shop = Geschäft, Sale = Ausverkauf, Ticket = Karte, Bike = Fahrrad, Outfit = Kleidung, timen = Zeit nehmen, Check-in = Anmeldung, Abfertigung, Meeting = Treffen, Talkshow = Quatschschau, Display = Sichtfeld, Global Player = Weltunternehmen, Flatrate = Pauschale, Coaching = Anleitung, Grapefruit = Pampelmuse, Pipeline = Rohrleitung, shoppen = Geld verprassen, Newcomer = Neuer, relaxen = entspannen, chillen = runterkommen, online/offline = im Netz/vom Netz, Thumbnails = Däumlingsbilder, Bootlegs = Raubplatten
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Dringender Buch-Tipp: Ökonomie der Zerstörung
Es ist geradezu lächerlich wie hartnäckig neue Recherchen britischer und amerikanischer Historiker in Deutschland ignoriert werden. Was in anderen Ländern selbstverständlich ist – die neutrale Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte – wird hier als anrüchig empfunden. Die Geschichtsschreibung – was die Zeit zwischen 1933 und 45 betrifft – ist heute ein Ort, an dem es nicht mehr primär um Ursachenforschung geht, sondern nur noch darum das gegenwärtige Gesellschaftssystem und dessen propagiertes Weltbild zu reproduzieren.
Ökonomie der Zerstörung (Originaltitel: The wages of destruction) von Adam Tooze, (Siedler-Verlag) ist ein Buch, das den längst überfälligen Paradigmenwechsel vollzieht: Tooze, ein junger britischer Forscher aus Cambridge, beschreibt ein durchweg kapitalistisch orientiertes III. Reich. Er stützt sich im Wesentlichen auf eine Erkenntnis: Das Streben nach neuem Lebensraum (und die damit notwendige Diskriminierung von Rassen) entspricht einer zutiefst kapitalistischen Denk- und Vorgehensweise. Hat der Kapitalismus erst einmal freien Lauf, zeigt er schnell sein wahres Gesicht: Auch Menschen werden in diesem „industriellen Prozess“ der Verwertung mit Haut und Haar unterworfen. Tooze gelingt es dabei hinlänglich bekannte geschichtliche Ereignisse und Entwicklungen aus einer neuen ideologiefreien Perspektive zu betrachten. Der Holocaust ist in diesem Zusammenhang nicht mehr als ein Nebenkriegsschauplatz: (Im Vergleich mit 19 Millionen gefallener sowjetischer Soldaten und den insgesamt weit über 50 Millionen Toten des II. Weltkriegs, ist er das auch.) Der Rassismus gegen Slawen und andere Völker (die als minderwertig erachtet wurden) schaffte die Basis der kriegswirtschaftlichen Expansion nach Osten. Das Wort „Kriegswirtschaft“ steht synonym für die gigantische Kriegsmaschine, die der deutschen Industrie die dringend notwendigen Rohstoffe beschaffen sollte. Die überzeugende Art und Weise wie Tooze die enge Verflechtung zwischen ökonomischen Suprematen und politischen Entscheidungen offen legt, macht The Wages of Destruction zu einem wichtigen Buch. Wer glaubt KZ-Folklore und ewiges Wiederkäuen längst bekannter Fakten, genüge das III. Reich zu erklären, der möge die Finger von diesem Buch lassen. Wer sich hingegen einmal den grausamen Gewissheiten der Erwachsenenwelt stellen will, der sollte dieses Buch lesen.
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