Biografisches
Der Schriftsteller, Regisseur und Produzent Thor Kunkel, 1963 in Frankfurt(a. M.) geboren, ist u. a. der Autor von »Endstufe« (2004) und »Das Schwarzlicht-Terrarium«(2000). Die FAS zählte sein preisgekröntes Debüt zu den „25 wirkungsvollsten Büchern der letzten 20 Jahre“.
Die Familie hat französische und polnische Wurzeln. Kunkels Mutter war vetrinär-medizische Assistentin, der Vater arbeitete als Ingenieur Lurgi Chemie.
Kunkel wuchs im Frankfurter “Kamerun” auf. Frühes Interesse an Literatur und Martial Arts. Nach dem Abitur studierte Kunkel bei Thomas Bayrle Bildende Kunst, bevor er in San Francisco einen Kurs für Creative Writing absolvierte. In dieser Zeit schrieb er seine ersten Essays über Cargokult, Kybernetik und den Bildhauer Arno Breker.
Nach Abschluß seines Studiums führte Kunkel jahrelang das Leben eines europäischen Nomaden. Er lebte 5 Jahre in London und über 10 Jahre in Amsterdam. In dieser Zeit arbeitete er als Medienmanager und Regisseur für einige der größten Werbeagenturen der Welt.
Kunkel verstand sich stets als Konzept-Künstler, der – so wie Andy Warhol und Helmut Newton vor ihm – mit Massenkultur experimentierte. Als Filmemacher engagierte er sich u.a. für sudanesische Flüchtlingskinder und karitative Einrichtungen wie SIRE (Stichting Ideële Reclame).
Ab 1994 Drehbuchautor und Regisseur für diverse holländische und deutsche Filmproduktionen. Teilnahme am Ingeborg-Bachmann-Wettlesen 1999: 2. Platz (Ernst-Willner-Preis). Wenn schon sein literarisches Debut »Das Schwarzlicht-Terrarium« (2000) von der Presse als „deutsche Antwort auf Pulp Fiction“ gefeiert wurde, gelang Kunkel mit »Endstufe«(gefördert mit einem Stipendium der Stiftung der Preußischen Seehandlung), der Sprung auf die Bestsellerlisten. Auch Übersetzungen blieben nicht aus. Zwischen 2006 und 2008 schrieb Kunkel mehrere erfolgreiche Hörspiele u.a. für Deutschlandradio Kultur und den WDR. Mit »Kuhls Kosmos«, der Fortsetzung seines Romans “Schwarzlicht-Terrariums”, kehrte Kunkel 2008 wieder auf die Lesebühne zurück. Soeben erschien sein neuster Roman “Schaumschwester” bei Matthes & Seitz, Berlin.
Thor Kunkel lebt heute in Berlin und der Schweiz.
Mit einer Kampagne für die Wohltätigkeitsorganisation »Mensen in Nood« geriet Kunkel 2001 in die Schlagzeilen von holländischen Tageszeitungen.
Um die Not der sudanesischen Flüchtlingskinder den Wohlstandsbürgern näher zu bringen, hatte Kunkel – verantwortlicher Kreativ-Direktor – am 20. 4. 2000 ein fingiertes Tagebuch-Fragment an rund 100 000 registrierte Spender verschickt.
Der Text schildert die Ängste eines Kindes, das nachts von Milizen evakuiert wird. Kein Name, kein Absender, keine Erklärung. Zehntausende alarmierten die Polizei.
Ein offizielles Schreiben von „Mensen in Nood“ informierte die Empfänger einen Tag später über die Hintergründe der Aktion.
Kunkel in der niederländischen Fachpresse: „Wir wollten die Leute aus ihrer Konsum-Lethargie wachrütteln; genau das haben wir getan.“
Obwohl die Aktion überdurchschnittlich hohe Spenden aufbrachte, hatte die Aktion ein Nachspiel für Kunkel: Er wurde gefeuert und widmete sich ganz dem Schreiben.
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