Camera Obscura
Kunst, Filme, Musik - ohne den ganzen Schmodder wäre das moderne urbane Leben doch nur Shoppen & Ficken und das wäre auf die Dauer ziemlich öde. (Oder etwa doch nicht?) Ich habe mir jedenfalls erlaubt hier ein paar Hinweise auf Ausstellungen und Filme zu geben, die mir entweder in letzter Zeit aufgefallen sind oder die ich weiterempfehlen kann. (tk)
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40 Filme, die Sie noch vor Ihrem Tod sehen sollten
Sein momentaner Lieblingsfilm heißt » 300«, der Regisseur Zack Snyder. “Solche Filme braucht man nicht zu empfehlen, denn da geht eh jeder rein…” - Muß man diesen Film aber gesehen haben? “Fraglich”, meint Kunkel. “Schaden kann es nicht… Meine Freunde von Hervez Batails ATK-Schule in Berlin haben sich den Film sogar zweimal angesehen…”
Wir baten Thor Kunkel spontan seine Lieblingsfilme zu kommentieren. (rbi)
(mit freundl.Genehmigung des Betreibers der Website www.kunkelversum.de)
Jack Arnold »Die unglaubliche Geschichte des Mr. C.«
TK: „ Die Romanvorlage zu Jack Arnolds surreal anmutenden Film schrieb Richard Matheson (I, Legend – Der Omega-Mann). Das Ganze wirkt wie von Kafkas »Die Verwandlung« inspiriert. Während eines Segeltörns gerät ein Mann in eine radioaktive Nebelbank. Das Resultat? – Der Junge beginnt unaufhaltsam zu schrumpfen. Wir erleben den gleitenden Übergang eines Menschen in den Mikrokosmos, in den Bereich der Atome. Als ich den Film zum ersten Mal sah, habe ich Rotz und Wasser geheult. ”
Donald Cammell / Nicolas Roeg »Performance«
TK: „Wer denkt Tarantino habe das non-lineare Geschichtenerzählen erfunden, der muß sich »Performance« ansehen. Viele Regisseure der 70er Jahre haben ihre Stories nicht linear erzählt - Steven Soderbergh, Terrence Mallick und Nicolas Roeg. Cammel zieht in »Performance« noch mehr Register – Doppelbelichtungen, Farbbäder, Freeze-Frames, Stop-Motion – und das lange bevor es eine ordentliche Post-Production gab.
Das elektronische Sounddesign von Jack Nietzsche verleiht diesem „Pulp-Movie“ eine zeitlose Note. Auch Guy Ritchie kupferte von Cammell ab. „Lock, Stock & Two Smoking Barrels“ sieht jedenfalls danach aus. »Performance« erzählt die Geschichte von Chas, einem Eintreiber von Schutzgeldern, der nach einem Mord untertauchen muß… Ausgerechnet bei dem Ex-Popstar Turner findet er Unterschlupf.
Der stellt Chas’ harte Wahrnehmung der Realität sein elastisches Universum der Drogen gegenüber… James Fox brauchte angeblich zehn Jahre um sich von den Dreharbeiten - das heißt dem vielen LSD - zu erholen. Ein überraschender Film, der zeigt wie leicht es ist in einer anderen Realität zu landen.“
Pier Paolo Passolini »Das 1. Evangelium nach Matthäus«
TK: „Dieser unglaubliche Enrique Irazoqui! Er verkörperte wie kein anderer den jungen Rebellen Jesus, der glaubte die Welt durch sein Herz verändern zu können. Leider war das – wie wir wissen - eine kleine Fehlkalkulation. Ein minimalistisches Meisterwerk über die Empathie in einer gnadenlos materialistischen Welt.“
Roland Klick »Supermarkt«
TK: „ Die Digitalisierung von »Supermarkt« war längst überfällig, denn die Filme von Roland Klick gehören zum Sehenswertesten was es gibt. (Siehe auch www.rolandklick.de) Klick erzählt hier die Geschichte von Willi, einem Herumtreiber, der 1973 durch Sankt Pauli gammelt und sich nach allerlei Querelen zu einem Raubüberfall breitschlagen lässt. Die Sache geht natürlich voll in die Binsen. »Supermarkt« spielt in derselben Liga wie »Trainspotting« und »Reservoir Dogs«, ist aber origineller gefilmt. Für mich bleibt Klick der am meisten unterschätzte Regisseur Deutschlands.“
Michelangelo Antonioni » Die rote Wüste «
TK: „Wer BLOW-UP durchstanden hat, der wird diesen Film lieben. Antonioni verwandelt ein italienisches Industriegebiet in eine gespenstische, futurisch angehauchte Mondlandschaft. Der Film ist ein Delirium, eine filmische Psychose, die das Leben von modernen Nomaden beleuchtet: Ihre Wüste ist der technologische Fortschritt.“
Georg Lucas »THX 1138«
TK: „ Der bei weitem beste Science-Fiction-Film von Georg Lucas, unter anderem auch wegen Robert Duval und Donald Pleasance. Lucas drehte diesen Film als Student, angeblich mit einem Budget von fünfzigtausend Dollar. Erzählt wird die Geschichte des Klons THX 1138, der in einem sterilen Überwachungsstaat lebt. Zwischen staatlich verordnetem Drogenkonsum und holografischer Pornografie, erfüllt er irgendeine Funktion in der staatlichen Maschinerie. Alles verändert sich als er sich in einen weiblichen Klon (Maggie McOmie) verliebt, denn Sex, das heißt die natürliche Fortpflanzung, ist verboten. Eine düstere Prophezeiung, die teilweise schon eingetroffen ist.“
John Huston »Reflections in a golden eye«
TK: „Schitt… Fabelhaftes Closset-Gay-Drama mit Marlon Brando und Elisabeth Taylor. Ich kann nicht sagen, warum mir dieser in Goldsepia gefilterte Film so gefällt, wahrscheinlich weil er die Grenzen der Liebe auf sehr subtile Weise aufzeigt…“
Stanley Kubrick »Dr. Seltsam«
TK: „Kubricks Werk hat bis heute keinen Hauch von Patina angesetzt. Auch dieser Schwarzweiß-Film aus den Sechziger Jahren wirkt lebendiger und spannender als das meiste was derzeit in den Kinos läuft.
Aufgrund eines Fehlalarms startet eine mit Atombomben beladene B-52 in Richtung Moskau. Alle Versuche die Cowboy-Piloten zurückzurufen scheitern an hirnrissigen Militärs und unfähigen Politikern. Peter Sellers (gleich in mehreren Rollen zu sehen) schließt als Rollstuhl fahrender Nazi-Doktor Dr. Seltsam den Vorhang über die genialste Satire aller Zeiten.“
Stanley Kubrick »Uhrwerk Orange«
TK: „Ende der Siebziger Jahre gab es im Frankfurter „Cinemonde“- Kino jeden Sonntag um zehn Uhr eine »Uhrwerk-Orange«-Matinee. Es kamen immer dasselbe Dutzend Elendgestalten, Punkrocker, Kiffer, ein paar verirrte Kunststudenten und eine Nutte aus der Kaiserstraße. Niemand sagte ein Wort. War auch nicht nötig.“
Stanley Kubrick »2001: Odyssee im Weltraum«
TK: „Das Thema der Artifiziellen Intelligenz hat Kubrick schon früh fasziniert. In „Space Oddity“geht es im wesentlichen um die früher oder später anstehende Auseinandersetzung mit einer dem Menschen ebenbürtigen Intelligenz. HAL 9000, der Bordcomputer des Raumschiffs Discovery, beschließt sich der menschlichen Besatzung zu entledigen. An Bord haben die Astronauten scheinbar keine Chance gegen die Maschine. Der Film ist eine verkappte Evolutionsrevue ersten Ranges und ein Trip an die Grenzen der Vorstellungskraft. “
Douglas Trumbell »Lautlos im Weltall«
TK: „Ein bewegender Film, auch wegen Joan Baez’ wunderbarer Stimme… Die Geschichte nimmt bereits moderne Biosphären-Projekte hinweg: Die letzten Reste der irdischen Fauna kreisen in riesigen Kuppeln im Weltall. Als das Projekt aus Kostengründen eingestampft werden soll, läuft ein Gärtner (Bruce Dern) an Bord der „Valley Forge“ Amok. Zusammen mit ein paar recht niedlichen Robotern versucht er das letzte bißchen Natur vor der endgültigen Zerstörung zu retten … Eigentlich ein elender Gutmenschen-Film, und trotzdem…“
John Carpenter »Dark Star«
TK: „Je begrenzter seine Mittel waren, umso besser wurde Carpenters Film…– bis Mitte der 80er Jahre, versteht sich. Danach erlitt der Regisseur vermutlich einen Hirntod, sonst wären wohl kaum Machwerke wie »Starman« oder »Los Muertos Vampire« entstanden. In »Dark Star« versucht die Besatzung eines Atomsatelliten einer im Abwurfsschacht verklemmten intelligenten Bombe ihre Detonation auszureden.
Ein ideensprühendes Frühwerk, unbedingt im UK Import – 30th Anniversary Special Edition
ansehen.“
Richard Fleischer »Soylent green«
TK: „Nach einem Roman von Harry Harrison (»New York 1999«) erzählt Fleischer die Geschichte einer in Menschenmassen erstickenden Welt. Die Straßen von New York sind ein Slum, die hungernden Obdachlosen werden mit den Waffeln eines Nahrungsmittelkonzerns am Leben erhalten. Als der Vorstand des Konzerns unter mysteriösen Umständen ermordet wird, ermittelt ein Privat-Detektiv (Charlton Heston) nach den Hintergründen der Tat. Dabei deckt er einen ziemlich heftigen Lebensmittelskandal auf…
Interessanter Weise verlegte Fleischer seinen Ökothriller nach 2022. Wir werden es erleben…“
Friedrich Wilhelm Murnau »Nosferatu«
TK: „ Nicht so verwechseln mit Werner Herzogs Aufguß. Murnaus Meisterwerk von 1921/22 ist eine surreale Allegorie auf den Horror des 1. Weltkriegs. Die filmische Grammatik ist revolutionär, eine geniale Montage vermischte das Genrebilder des viktorianischen Schauerromans mit naturdokumentarischen Aufnahmen von fleischfressenden Pflanzen. Die Bilder sind nicht stumm, sie sind reinste Musik. Mit dem schröcklichen Max Schreck!“
Werner Herzog »Aquirre – Der Zorn Gottes«
TK: „Klaus Kinski verkörpert den spanischen Conquistador Lope des Aquirre wie kein zweiter. Die Suche nach dem Goldland El Dorado wird für den brutalen Plünderer zum Desaster. Zusammen mit seiner fünfzehnjährigen Tochter versucht Aguirre verzweifelt einen Ausweg aus dem Dschungel zu finden…
In Aquirre kommt Herzogs authentischer Kamerastil voll zur Geltung. Der Film saugt einen förmlich in die dampfenden, stickigen Wälder des Amazonas. Der legitime Vorläufer von »Apocalypse Now«.”
Daren Aronofsky »Pi«
TK: „Der Mathematiker Max hat es sich in den Kopf gesetzt die Börse zu knacken. Das Muster, das er sucht, soll ihn reich machen. Ein orthodoxer Jude erzählt ihm von einem Code der aus 216 Zahlen besteht, eine Nummer, die Gott den Menschen hinterlassen hätte, um die Welt zu erklären. Max gerät allmählich zwischen zwei Fronten, Börsenhaie und religiöse Schmocks… Völlig in Schwarzweiß gedreht bespielt Aronofsky die Spannungen zwischen Ratio und Irrationalität. Kafkaek.“
Toshio Matsumoto »Shura - Pandämonium«
TK: „Ein düsteres Drama um einen herrenlosen Samurai (Katsuo Nakamura), der mit dem abgetrennten Kopf seiner untreuen Geliebten Koman (Yasuko Sanjo) durch mittelalterliche Herbergen pilgert…
Matsumoto, der Regisseur, meinte dazu: „Pandämonium erzählt die Geschichte von Grausamkeit und Wahn, in der die Charaktere Opfer des Verrats werden, eines Verrats durch andere, sich selbst, aus Liebe und politischen Motiven. Ist dieser totale Verrat in einem historischen Alptraum von Blut und Rache nicht direkt mit dem endlosen dunklen Inferno unserer Zeit verbunden?”
Saul Bass „Phase IV“
TK: „Der Film schildert in leisen Tönen die Ablösung des Menschen von der Spitze der Nahrungskette.
Gewöhnliche Ameisen, über Nacht zu einer kollektiven Intelligenz vereint, vernichten buchstäblich die auf Elektronik beruhenden Existenzgrundlage des modernen Menschen. Zwei Wissenschaftler (Nigel Davenport und Michael Murphy) versuchen mit der Spezies Formicula Kontakt aufzunehmen.
Saul Bass, der fast alle Titel von Hitchcocks Filmen erdachte, gelang hier ein herausragender Ökothriller.
Rainer Werner Fassbinder »Die Ehe der Maria Braun«
TK: „Niemand hat den amoralischen Sumpf von Nachkriegsdeutschland besser in Szene gesetzt als
Fassbinder. Die Katerstimmung der Besiegten, das Ausgeliefertsein ihrer Frauen an die ewig geilen Besatzer, das Drama der körperlich und seelisch Gebrochenen, die einfach wieder von vorne anfangen mußten, niemand hat es schonungsloser auf die Leinwand gebracht. Der Film gilt als Teil von Fassbinders BRD-Trilogie in der er die Entwicklung Deutschlands zur »mitleidlosen Gesellschaft der Egoisten« nachzeichnet. Auch die anderen Folgen der Trilogie sollte man gesehen haben: »Lola« und »Die Sehnsucht der Veronika Voss«. Mit der unvergleichlichen Hanna Schygulla.
Rainer Werner Fassbinder »Götter der Pest«
TK: „Schon das Eingangszitat dieses Films ist eine Granate und erklärt worum es geht: »Gangster sind unsere Götter. Der Kapitalismus ist eine Pest.«
In diesem Drama um den Kleinkriminellen Franz Biberkopf finden sich immer wieder Anklänge an Döblins Berlin Alexanderplatz… Man erkennt die »Sachzwänge der Pest« in der Abhängigkeit des Menschen von den Penunzen…«
Rainer Werner Fassbinder »Warum läuft Herr R. Amok?«
TK: „ Die Welt des Glücklichen, ist eine andere als die des Unglücklichen. Ludwig Wittgenstein hatte das mal so schlicht formuliert. Jetzt wissen Sie warum Herr R. Amok läuft.“
Akira Kurosawa »Kagemusha - Der Schatten des Kriegers«
TK: „Kurosawas Filme sind durch die Bank weg cineastische Meilensteine. In Kagemusha erzählt er die Geschichte eines Doppelgängers, der zuletzt mit seiner Rolle eins wird. Der Film wurde mit der Unterstützung von Georg Lucas und Francis Ford Coppola gedreht, da Kurosawa nach einem gescheiterten Selbstmordversuch für seine Filme in Japan keine Unterstützung mehr fand.“
Takeshi Kitano »Hana-Bi«
TK: „Tarantino hat viel, wenn nicht alles von Kitano gelernt. Hana-Bi (Violent Cop) stellt alle Hollywood-Produktionen über desillusionierte Cops in den Schatten. Okay, mit Ausnahme von»Bad Lieutenant«. In Hana-Bi wirkt Gewalt als etwas sehr cooles… Ein simpler, pragmatischer Lebensstil, keine Pose oder Glorifizierung.“
Takeshi Kitano »Sonatine«
TK: „ Ein jähzorniger Yakuza wird von seinen Vorgesetzten nach Okinawa gelockt, damit sie ihn dort bequem aus dem Weg räumen können. Wie das im Leben so ist, es ist das leichter gesagt, als getan. “
Herk Harvey »Carneval of the souls«
TK: „Ein heillos verstörender Film von 1962, wahrscheinlich unter dem Einfluß von Pilzen gedreht. Die Überlebende eines Autounfalls (Candace Hilligoss) muß feststellen, daß sie von Toten verfolgt wird, die sonst niemand sieht… Ein Spiel an der Grenze zwischen Leben und Tod, untermalt von einer oft infernalischen Orgie…. äh, ich meine, Orgel. Schlimmes Ende.
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Allen Baron »Blast of Silence«
TK: „Der Killer Frank Bono erledigt zu Weihnachten einen Job in New York. Zufällig läuft er einem früheren Bekannten in die Arme, der ihn zu sich nach Hause einläd und seiner Familie vorstellt. Die Sehnsucht des Killers nach einem normalen Leben wird ihm zum Verhängnis. Der schwärzeste Film noir aller Zeiten. Leider verschwand Baron danach in den dunklen Mühlen des Fernsehens.“
Peter Collinson »Open Season«
TK: „Hast du einmal Menschen gejagt, zählen Tiere nicht mehr, sagt einer der sadistischen Jäger in »Jagdzeit«. Collinsons Verfilmung des Romans von David Osborn kommt zwar an die Vorlage nicht ran, vermittelt aber schockierende Bilder der Trivialität des Bösen.”
Luis Bunuel »Dieses obskure Objekt der Begierde«
TK: „Der Meister des surrealistischen Films (»Un chien andalu«)vermischt hier Geschlechter- und Klassenkampf. Besitzansprüche von Männern auf weibliche Körper, die Umwertung biologischer Macht in eine gesellschaftliche Machtposition… Basierend auf Pierre Louys Roman »La femme et le pantin« gelingt Bunuel eine Durchleuchtung unserer auf primitivsten Instinkten basierenden Gesellschaft.“
Kenneth Anger »Inauguration of the Pleasure Dome«
TK: „Kenneth Angers Filme sind pure Poesie. Sie funktionieren ohne Worte, sondern treffen durch ihre naturheidnischen Symbole direkt das Unterbewusstsein des Zuschauers… Angeblich auch der Lieblingsfilm der Band »Frankie goes to Hollywood«.“
Vincent Ward »The Navigator«
TK: „Ein abgefahrener, rätselhafter Streifen, in dem die Einwohner eines mittelalterlichen, von der Pest heimgesuchten Dorfes einen Weg in die Gegenwart finden… Ein britischer Ingmar-Bergman- Film, leider noch nicht auf DVD erhältlich.“
Francis Ford Coppola »Apocalypse Now«
TK: „Ein metaphysischer Film über die Natur des Menschen, der im Krieg wieder zur kreatürlichen Marionette der Natur wird… Coppolas Film zeigt eindringlich wie dünn die Tünche der Zivilisation ist.
Elemente von Goldings »Lord of the flies« schimmern durch.“
Sydney Pollack »Yakuza«
TK: „Vergesst »Kill Bill«. Dieser 1975 gedrehte Film noir war seiner Zeit weit voraus. Ein Ex-Yakuza (Tanaka Ken) und ein alter, vom Leben gesaubeutelter Ami (Bob Mitchum) versuchen die entführte Tochter eines Freundes aus den Händen des japanischen Mobs zu befreien. Ultra low und düster – einmal abgesehen von den blitzenden, rasiermesserscharfen Katanas… Auch dieses Meisterwerk sucht man vergeblich auf DVD.“
Robert Wise »Kanonenboot am Yangtse-Kiang«(The sand pepples)
TK: „Ich mag diesen Film ohne genau erklären zu können warum. In den revolutionären Wirren in China liegt das amerikanische Kanonenboot San Pablo auf dem Yangtse vor Anker. Amerikanische Staatsbürger sollen evakuiert werden. In Sichtweite des Schiffs foltern Rotarmisten ihre Opfer zu Tode. In diesem Alptraum steht Steve McQueen wie ein Fels in der Brandung… Ganz großes Kino!!!“
Jean-Jaques Beneix »Betty Blue – 37,2 Grad am Morgen«
TK: „Nach einem Roman von Philip Dujan inszenierte Beneix diesen völlig in Vergessenheit geratenen Kultfilm der 80er Jahre. Eine amour fou zwischen einem Schriftsteller und einem neurotischen Mädchen(Beatrice Dalle) gipfelt in einem Gnadenakt der Euthanasie.“
Michael Powell »Peeping Tom«
TK: „ Karlheiz Böhm als perverser Dokumentarfilmer, der sich an den letzten Sekunden seiner Opfer berauscht. Der unterkühlt wirkende Film löste 1960 einen Skandal aus und beendete die Karriere von Böhm schlagartig.“
Alain Resnais »Letztes Jahr in Marienbad«
TK: „Schon Kurosawa spielte in »Rashomon« mit den subjektiven Wahrheiten der Protagonisten. Resnais’ Film könnte man die europäische Variante nennen. Nach einem Drehbuch von Alain Robbe-Grillet beschreibt der Film ein surreal anmutendes Dreiecksverhältnis, in dem der Verlierer auf Schloss Marienbad zurückbleiben wird.“
Leni Riefenstahl »Impressionen unter Wasser«
TK: „Kein Spielfilm, sondern ein Ballet aus lebenden Farben, ein Lichtspiel, in das man einfach eintauchen muss. Was Riefenstahl hier noch im hohen Alter ablieferte, ist nicht weniger als eine cineastisches Meisterleistung. Ideal zum chillen.“
John Boorman »Delivarence«
TK: „Boormans Verfilmung des gleichnamigen Romans von James Dickey besticht durch eine unglaublich authentische Atmosphäre: Vier Geschäftsleute planen eine Kanufahrt auf dem Cahulawassee River bevor dieser und die anliegenden Dörfer in einem Stausee verschwinden. In der Wildnis begegnen sie ein paar ziemlich unfreundlichen Hillbillies, die sich an den Großstädtern auslassen wollen. In der Wildnis entbrennt ein Kampf auf Leben und Tod… Ein Lehrstück über die wahre Natur des Menschen.“
Alex Cox »Repoman«
TK: „Lange bevor schräge Dialoge zum Markenzeichen Tarantinos stilisiert wurden, ließ Alex Cox seine Helden in »Repoman« über die weltbewegende Frage diskutieren, ob John Wayne zu den Homosexuellen zähle oder nicht. Zwischen Krimi und Science-Fiction schwankend bleibt dieser transgenerische Film bis zuletzt spannend, und das ohne jede Effekthascherei. Harry Dean Stanton spielt den Repossession Man, der einen Chevy Malibu zurückholen soll, dessen Besitzer mit der Ratenzahlung in Rückstand geraten ist. Leider ist der Kofferraum inzwischen bewohnt…“
David Lynch »Eraserhead«
TK: „David Lynchs erster halbwegs kommerzieller Film ist ein Geniestreich. Das Glück eines jungen Paares wird jäh getrübt, als die Frau eine Missgeburt zur Welt bringt. Föten fallen aus einem versüfften Bühnenhimmel und werden von linkischen Frauenfüßen zertreten. Aus der Gehirnmasse eines Mannes werden Radiergummies hergestellt… Nichts für Humanoptimisten“
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